Startseite Kurse Prüfungen Niveaustufen Preise FAQ Kontakt
Grammatik verstehen · A1 bis C1

Zeitformen im Deutschen

Sechs Zeitformen hat das Deutsche – aber drei davon tragen im Alltag fast die ganze Last. Hier stehen alle sechs mit Bildung, Gebrauch und Signalwörtern, die Verteilung zwischen Sprechen und Schreiben und eine ehrliche Einordnung, was Sie auf welcher Stufe wirklich brauchen.

Die gute Nachricht zuerst

Wer aus dem Englischen, Französischen oder Spanischen kommt, kennt zwölf oder mehr Zeitformen mit fein abgestuften Bedeutungen. Das Deutsche ist hier einfacher: Es gibt keine Verlaufsform (I am working heißt schlicht Ich arbeite), und die Zukunft wird meistens mit dem Präsens ausgedrückt. Die Schwierigkeit liegt an anderer Stelle – bei den unregelmäßigen Formen und bei der Frage, wann Perfekt und wann Präteritum.

Die sechs Tempora im Überblick, mit dem Verb lernen (regelmäßig) und gehen (unregelmäßig):

ZeitformBildunglernengehenAb Stufe
PräsensVerbstamm + Endungich lerneich geheA1
Perfekthaben/sein + Partizip IIich habe gelerntich bin gegangenA1/A2
PräteritumStamm + -te / Stammwechselich lernteich gingA2 (sein, haben), B1
Plusquamperfekthatte/war + Partizip IIich hatte gelerntich war gegangenB1
Futur Iwerden + Infinitivich werde lernenich werde gehenB1
Futur IIwerden + Partizip II + haben/seinich werde gelernt habenich werde gegangen seinB2/C1

Präsens: mehr als Gegenwart

Das Präsens ist die Arbeitsform des Deutschen. Es steht für die Gegenwart, für Allgemeingültiges – und in den meisten Fällen auch für die Zukunft, sobald eine Zeitangabe dabei ist:

  • Gegenwart: Ich lerne gerade Deutsch.
  • Allgemein: Berlin liegt an der Spree.
  • Zukunft: Morgen habe ich einen Termin beim Amt. – Nächstes Jahr mache ich die B2-Prüfung.
  • Seit-Konstruktion: Ich wohne seit drei Jahren in Berlin. (nicht: habe gewohnt – der Zustand dauert an)

Der letzte Punkt ist ein klassischer Fehler aus dem Englischen: I have lived here for three years ist im Deutschen Präsens. Was noch andauert, steht im Präsens.

Perfekt und Präteritum: die Vergangenheit

Das Deutsche hat zwei Vergangenheitsformen, die inhaltlich dasselbe bedeuten. Der Unterschied liegt nicht in der Zeit, sondern in der Situation:

PerfektPräteritum
WoGesprochen, E-Mails, persönliche TexteBerichte, Erzählungen, Nachrichten, Zeitung
BeispielIch habe gestern lange gearbeitet.Der Minister eröffnete die Konferenz.
Ausnahmesein, haben, die Modalverben und einige häufige Verben (wissen, denken, geben …) stehen auch gesprochen im Präteritum: Ich war krank. Ich hatte keine Zeit. Ich konnte nicht.

Die Bildung des Partizips II, die Wahl zwischen haben und sein und die Präteritumformen der unregelmäßigen Verben haben eine eigene Seite: Perfekt oder Präteritum? Die Modalverben in der Vergangenheit stehen unter Modalverben.

Plusquamperfekt: die Vorvergangenheit

Wenn Sie in der Vergangenheit erzählen und etwas noch früher passiert ist, brauchen Sie das Plusquamperfekt. Bildung: hatte oder war (Präteritum von haben/sein) + Partizip II. Die Wahl zwischen hatte und war folgt derselben Regel wie beim Perfekt.

  • Nachdem ich die Prüfung bestanden hatte, habe ich gefeiert.
  • Als ich ankam, war der Zug schon abgefahren.
  • Sie hatte den Brief schon geschrieben, bevor die Antwort kam.

Das Signalwort ist nachdem: Der nachdem-Satz steht immer eine Zeitstufe vor dem Hauptsatz – Plusquamperfekt neben Perfekt oder Präteritum. Wer das in der B1-Prüfung richtig macht, zeigt, dass er die Zeitstufen verstanden hat. Wie der Nebensatz dazu gebaut wird, steht unter Nebensätze und Konjunktionen.

Futur I: seltener als gedacht – aber nicht für die Zukunft

Futur I wird mit werden + Infinitiv gebildet: Ich werde lernen. Für die reine Zukunft ist es im Deutschen die Ausnahme, nicht die Regel – dort steht das Präsens. Futur I hat drei eigene Aufgaben:

FunktionBeispiel
Zukunft ohne ZeitangabeIch werde das Formular ausfüllen. (kein morgen, kein nächste Woche)
Versprechen, Absicht, PrognoseIch werde mich mehr anstrengen. – Die Mieten werden weiter steigen.
Vermutung in der GegenwartEr wird wohl im Stau stehen. – Sie wird schon zu Hause sein.

Die dritte Funktion überrascht die meisten Lernenden: Er wird krank sein heißt nicht „er wird in Zukunft krank“, sondern „er ist vermutlich jetzt krank“. Mit wohl, wahrscheinlich, sicher ist diese Bedeutung eindeutig – und in B2-Prüfungen gern gesehen, weil sie Nuancen zeigt.

Futur II: kennen, nicht üben

Futur II (werden + Partizip II + haben/sein) drückt aus, dass etwas in der Zukunft abgeschlossen sein wird – oder eine Vermutung über die Vergangenheit:

  • Bis Freitag werde ich den Bericht geschrieben haben.
  • Er wird den Zug verpasst haben. (= vermutlich hat er ihn verpasst)

Ehrlich gesagt: Im Alltag ersetzt man den ersten Fall fast immer durch das Perfekt mit Zeitangabe (Bis Freitag habe ich den Bericht geschrieben). Futur II sollten Sie ab B2 erkennen und verstehen; aktiv brauchen Sie es selten.

Signalwörter: welche Zeitangabe welche Form auslöst

SignalwortZeitformBeispiel
gerade, jetzt, im MomentPräsensIch telefoniere gerade.
seit, schon lange (andauernd)PräsensIch arbeite seit Januar hier.
gestern, letzte Woche, vor zwei JahrenPerfekt (gesprochen) / Präteritum (geschrieben)Gestern habe ich frei gehabt. / Gestern hatte ich frei.
nachdem, bevor (mit Vorzeitigkeit)Plusquamperfekt + VergangenheitNachdem er gegessen hatte, ging er.
morgen, nächste Woche, baldPräsensMorgen fahre ich nach Hamburg.
wohl, wahrscheinlich, sicher (Vermutung)Futur ISie wird wohl unterwegs sein.
bis dahin, bis nächste Woche (abgeschlossen)Futur II oder PerfektBis dahin werde ich alles erledigt haben.

Was auf welcher Stufe verlangt wird

StufeErwartung
A1Präsens sicher, auch für die Zukunft; Perfekt der häufigsten Verben; war und hatte
A2Perfekt mit haben/sein weitgehend korrekt; Präteritum von sein, haben und Modalverben
B1Präteritum der häufigen unregelmäßigen Verben lesen und schreiben; Plusquamperfekt nach nachdem; Futur I für Absicht und Vermutung – siehe B1-Kurs
B2Sicherer Wechsel zwischen Perfekt und Präteritum je nach Textsorte; Futur II passiv verstehen; Zeitformen im Passiv – siehe B2-Kurs
C1Stilistisch bewusster Tempusgebrauch, Präteritum in längeren Texten fehlerfrei, Vorzeitigkeit auch mit Partizipialkonstruktionen

Typische Fehler – und was dagegen hilft

  • Futur für jede Zukunft: Morgen werde ich zum Arzt gehen. Nicht falsch, aber unnatürlich. Gegenmittel: Zeitangabe da? Dann Präsens.
  • Perfekt für andauernde Zustände: Ich habe seit drei Jahren hier gewohnt. Gegenmittel: seit + Präsens, solange es noch gilt.
  • Präteritum im Gespräch: Ich ging gestern ins Kino. Grammatisch richtig, klingt aber nach Buch. Gegenmittel: gesprochen Perfekt – außer bei sein, haben, Modalverben.
  • Perfekt statt Plusquamperfekt nach nachdem: Nachdem ich gegessen habe, bin ich gegangen. Gegenmittel: nachdem = eine Stufe zurück.
  • Falsches Hilfsverb: Ich habe gegangen. Gegenmittel: Bewegung und Zustandswechsel → sein. Details unter Perfekt oder Präteritum?

Zeitformen lernt man nicht in Tabellen, sondern beim Erzählen: Was haben Sie gestern gemacht? Was war davor? Was machen Sie morgen? Genau so üben wir es – mit Korrektur an der Stelle, an der der Fehler passiert. Wie das aussieht, beschreibt die Seite Deutsche Grammatik verstehen.

Häufige Fragen

Wie viele Zeitformen gibt es im Deutschen?

Sechs: Präsens, Perfekt, Präteritum, Plusquamperfekt, Futur I und Futur II. Im Alltag tragen drei davon fast die ganze Last – Präsens, Perfekt und bei einigen Verben das Präteritum.

Plusquamperfekt und Futur I brauchen Sie ab B1 gezielt, Futur II fast nie.

Brauche ich das Futur, um über die Zukunft zu sprechen?

Meistens nicht. Im Deutschen steht für die Zukunft in der Regel das Präsens mit einer Zeitangabe: Morgen fahre ich nach Hamburg.

Futur I mit werden benutzt man, wenn keine Zeitangabe da ist, für Versprechen und Absichten – und sehr häufig für Vermutungen in der Gegenwart: Er wird wohl krank sein.

Wann brauche ich das Plusquamperfekt?

Wenn Sie in der Vergangenheit erzählen und etwas noch weiter zurückliegt – vor allem nach nachdem: Nachdem ich die Prüfung bestanden hatte, habe ich gefeiert.

Gebildet wird es mit hatte oder war plus Partizip II. In Prüfungen ab B1 ist es ein sicheres Zeichen für gute Grammatik.

Perfekt oder Präteritum – was ist richtig?

Beides ist richtig; der Unterschied ist die Situation. Gesprochen und in persönlichen Texten steht das Perfekt, in Berichten, Erzählungen und Nachrichten das Präteritum.

Ausnahme: sein, haben, die Modalverben und einige häufige Verben stehen auch gesprochen im Präteritum. Die Details stehen unter Perfekt oder Präteritum?

Preise

Einzelunterricht

45 € / 60 Min.

100 % individuell · alle Niveaus

Kleingruppe

30 € / Person · 60 Min.

2–3 Personen · kommunikativ

Prüfungsvorbereitung

50 € / 60 Min.

Einzelcoaching · alle Formate

10er-Pakete mit Rabatt gibt es auf Anfrage, das Erstgespräch ist kostenlos. Alle Preise unter Was kostet ein Deutschkurs?

Zeitformen beim Erzählen festigen

Die Tabelle haben Sie jetzt. Dass die richtige Form auch im Gespräch kommt, ist eine Frage der Übung mit Korrektur. Schreiben Sie mir, wo Sie stehen – im kostenlosen Erstgespräch sehen wir, welche Zeitformen bei Ihnen sitzen und welche noch nicht.

Jetzt Erstgespräch anfragen