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Grammatik · A1 bis B1

Nullartikel – wann im Deutschen kein Artikel steht

Im Deutschunterricht dreht sich alles um der, die, das – und dann kommen Sätze wie Ich bin Lehrerin, Ich trinke Kaffee, Ich fahre nach Italien, in denen gar kein Artikel vorkommt. Das ist keine Nachlässigkeit, sondern eine eigene grammatische Entscheidung: der Nullartikel. Diese Seite sammelt alle Fälle, in denen er steht – und die Ausnahmen, bei denen der Artikel zurückkommt.

Die Fälle auf einen Blick

FallBeispiel
Beruf, Funktion, NationalitätIch bin Lehrerin. Er ist Franzose.
Stoffnamen, unbestimmte MengeIch trinke Kaffee. Wir kaufen Brot.
Abstrakta, unbestimmte MengeSie hat Zeit. Das macht Spaß.
Plural von einIch habe Bücher gekauft.
Eigennamen, Städte, die meisten LänderIch wohne in Berlin. Wir fahren nach Italien.
SprachenIch lerne Deutsch.
nach Maß- und Mengenangabenein Kilo Äpfel, eine Tasse Tee
feste Wendungen mit Präpositionzu Hause, zu Fuß, mit Absicht
Monate, Wochentage, FesteEs ist Montag. Wir feiern Ostern.
Überschriften, Schilder, ListenWohnung zu vermieten. Eingang.

Berufe und Nationalitäten: der wichtigste Fall

Nach sein, werden, bleiben und als steht bei Berufen, Funktionen und Nationalitäten kein Artikel:

  • Ich bin Ingenieurin. · Er wird Verkäufer.
  • Sie arbeitet als Dozentin. · Er bleibt Vorsitzender.
  • Ich bin Deutsche. · Sie ist Spanierin.
  • Sind Sie Student?

Die Ausnahme: Sobald ein Adjektiv dazukommt, kehrt der Artikel zurück – Sie ist eine sehr gute Lehrerin, Er ist ein erfahrener Ingenieur. Dasselbe gilt, wenn das Nomen individuell bewertet wird: Er ist ein Genie. Die Endungen des Adjektivs stehen unter Adjektivendungen.

Beim Vorstellungsgespräch und im Lebenslauf ist das der Satz, der am häufigsten falsch gesagt wird – siehe Sich auf Deutsch vorstellen und Vorstellungsgespräch auf Deutsch.

Stoffnamen und Abstrakta

Geht es um eine unbestimmte Menge, steht kein Artikel. Geht es um eine bestimmte Portion oder eine bekannte Sache, steht einer:

ohne Artikelmit Artikel
Ich trinke Kaffee.Ich nehme einen Kaffee. (eine Tasse)
Wir brauchen Geduld.Die Geduld war am Ende.
Hast du Zeit?Hast du die Zeit gesehen?
Sie hat Angst.Die Angst vor der Prüfung ist normal.
Ich esse Brot.Ich esse das Brot von gestern.

Die Faustregel lautet: Kann man etwas oder ein bisschen davorsetzen, steht kein Artikel. Ich trinke (etwas) Kaffee – ja. Ich nehme (etwas) Kaffee – nein, hier ist eine Tasse gemeint.

Der Plural von ein

Der unbestimmte Artikel hat keine Pluralform. Im Plural fällt er einfach weg:

SingularPluralVerneinung
ein BuchBücherkeine Bücher
eine FrageFragenkeine Fragen
ein TerminTerminekeine Termine

Die Negation hat dagegen sehr wohl einen Plural – kein wird ganz normal dekliniert. Wann nicht und wann kein steht, klärt Nicht oder kein?; die Pluralformen der Nomen stehen unter Plural – die Regeln.

Länder und Städte

Städte stehen immer ohne Artikel, Länder meistens. Eine überschaubare Gruppe hat einen – und dann ändert sich auch die Präposition:

GruppeBeispieleRichtungOrt
ohne ArtikelItalien, Polen, Japan, Berlinnach Italienin Italien
feminindie Schweiz, die Türkei, die Ukraine, die Slowakei, die Mongoleiin die Schweizin der Schweiz
maskulinder Iran, der Irak, der Sudan, der Libanonin den Iranim Iran
Pluraldie USA, die Niederlande, die Philippinen, die Maledivenin die USAin den USA

Merksatz: nach nur bei Ländern und Städten ohne Artikel. Sobald ein Artikel dabei ist, heißt es in + Akkusativ. Alle Details zu diesen Präpositionen stehen unter in, nach, zu oder bei?

Eine Ausnahme gibt es bei Städten: Wenn ein Adjektiv dazukommt, steht ein Artikel – das schöne Berlin, im heutigen Wien.

Mengen, Maße, Verpackungen

Nach einer Mengenangabe folgt das Nomen ohne Artikel – und, anders als in vielen anderen Sprachen, ohne Präposition:

  • ein Kilo Äpfel (nicht: ein Kilo von Äpfeln)
  • eine Tasse Tee · ein Glas Wasser
  • zwei Flaschen Milch · drei Stück Kuchen
  • eine Packung Reis · 200 Gramm Käse

Die Maßeinheit bleibt bei Maskulina und Neutra im Singular: zwei Glas Wasser, drei Kilo Mehl, aber zwei Flaschen Wasser (feminin). Wie man damit einkauft und bestellt, zeigt Einkaufen und im Restaurant, die Zahlen selbst Zahlen, Uhrzeit, Datum.

Feste Wendungen ohne Artikel

BereichWendungen
Ort und Wegzu Hause, nach Hause, zu Fuß, zu Bett, an Bord, auf See
Art und Weisemit Absicht, ohne Grund, per Post, zu Recht, in Ordnung
Zeitbei Nacht, über Nacht, seit Jahren, in Zukunft, von Anfang an
Spracheauf Deutsch, in Deutsch, auf Englisch
mit VerbenAuto fahren, Klavier spielen, Fußball spielen, Deutsch lernen
Umständebei Regen, bei Bedarf, unter Druck, in Gefahr

Zu Hause oder nach Hause? zu Hause ist der Ort (Ich bin zu Hause), nach Hause die Richtung (Ich gehe nach Hause). Beide Schreibweisen – zu Hause und zuhause – sind heute zulässig. Mehr zum Gegensatz Ort/Richtung unter Wechselpräpositionen und hin oder her?

Vorsicht: hier steht doch ein Artikel

Genau umgekehrt gibt es Fälle, in denen Lernende den Artikel weglassen, obwohl er stehen muss:

FalschRichtigWarum
Ich gehe zu Arbeit.Ich gehe zur Arbeit.zu der → zur
Ich gehe in Schule.Ich gehe in die Schule.Institution mit Artikel
Ich fahre mit Bus.Ich fahre mit dem Bus.Verkehrsmittel mit Artikel
Ich war bei Arzt.Ich war beim Arzt.bei dem → beim
Am Wochenende gehe ich in Kino.… ins Kino.in das → ins

Diese Verschmelzungen – zur, zum, beim, im, ins, am – verstecken den Artikel, aber er ist da. Übersicht unter Präpositionen lernen.

Drei Sätze, drei Bedeutungen

SatzBedeutung
Ich suche eine Wohnung.irgendeine – neu im Gespräch
Ich suche die Wohnung.eine bestimmte, beiden bekannte
Ich suche Wohnungen.allgemein, unbestimmt, Plural

Wer die Unterscheidung bestimmt/unbestimmt braucht – etwa beim Erzählen oder in Prüfungstexten – findet sie unter Der, die oder das? und, für die Wohnungssuche konkret, unter Wohnungssuche auf Deutsch.

Kurzer Selbsttest

  • Sie ist … Ärztin von Beruf. (ohne Artikel)
  • Sie ist … sehr bekannte Ärztin. (eine)
  • Wir fahren nächste Woche nach … Schweiz. (in die)
  • Ich hätte gern ein Kilo … Tomaten. (ohne Artikel)
  • Er fährt jeden Tag mit … Fahrrad zur Arbeit. (dem)
  • Haben Sie heute Abend … Zeit? (ohne Artikel)

Wie wir das im Unterricht üben

Der Artikelgebrauch ist eines der Themen, die man nicht „durchnimmt“ und dann kann, sondern die sich über Monate einschleifen. Deshalb arbeite ich hier mit sehr kurzen, sehr häufigen Satzmustern: sich vorstellen, einkaufen, über Reisen sprechen, den Arbeitsweg beschreiben. Wer diese zwanzig Muster sicher hat, trifft in der Praxis die meisten Entscheidungen richtig, ohne nachzudenken. Im Einzelunterricht online gehen wir gezielt auf Ihre Muttersprache ein – wer aus dem Russischen, Polnischen oder Türkischen kommt, hat andere Stolperstellen als jemand aus dem Englischen oder Französischen. Passende Kursstufen: A1 und A2.

Häufige Fragen

Heißt es Ich bin Lehrerin oder Ich bin eine Lehrerin?

Bei Berufen, Funktionen und Nationalitäten nach sein, werden, bleiben und als steht kein Artikel: Ich bin Lehrerin, sie wird Ingenieurin, er arbeitet als Verkäufer.

Sobald ein Adjektiv dazukommt, braucht man den Artikel wieder: Sie ist eine sehr gute Lehrerin.

Welche Länder haben im Deutschen einen Artikel?

Die meisten Ländernamen stehen ohne Artikel: Ich fahre nach Italien. Mit Artikel stehen unter anderem die Schweiz, die Türkei, die Ukraine, die Slowakei, der Iran, der Irak und der Sudan sowie alle Pluralnamen wie die USA, die Niederlande und die Philippinen.

Bei ihnen heißt es in die Schweiz und in der Schweiz statt nach und in.

Warum sagt man Ich trinke Kaffee ohne Artikel?

Stoffnamen und abstrakte Begriffe stehen ohne Artikel, wenn eine unbestimmte Menge gemeint ist: Ich trinke Kaffee, wir brauchen Geduld, sie hat Zeit.

Ist eine bestimmte Portion gemeint, steht ein Artikel: Der Kaffee war kalt, ich nehme einen Kaffee.

Was ist der Plural von ein Buch?

Der unbestimmte Artikel hat keinen Plural. Aus ein Buch wird im Plural einfach Bücher: Ich habe ein Buch gekauft – ich habe Bücher gekauft.

Die Verneinung lautet dagegen kein Buch und keine Bücher.

Heißt es zu Hause oder zuhause?

Beide Schreibweisen sind seit der Rechtschreibreform zulässig, zu Hause ist die traditionelle Form.

Wichtig ist der Unterschied zu nach Hause: zu Hause beschreibt den Ort (Ich bin zu Hause), nach Hause die Richtung (Ich gehe nach Hause).

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Artikel – oder eben keiner

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