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Deutsch üben · B1 bis C1

Deutsche Redewendungen: Die Wendungen, die man wirklich hört – und wie man sie richtig benutzt

Ich drück dir die Daumen. Da bist du auf dem Holzweg. Er hat das Handtuch geworfen. – Muttersprachler benutzen Redewendungen ständig, ohne es zu merken; für Lernende sind sie eine Wand: Man versteht jedes Wort und trotzdem nicht den Satz. Hier stehen die Redewendungen, die im Alltag, im Beruf und in Prüfungstexten tatsächlich vorkommen, nach Themen geordnet, mit Bedeutung, Beispiel und dem Hinweis, ob sie ins Gespräch unter Freunden oder in den Geschäftsbrief gehören. Und die Methode, sie erst zu verstehen und dann so einzusetzen, dass sie natürlich wirken.

Redewendung, Sprichwort, feste Wendung – was ist was?

TypMerkmalBeispielWie oft man sie braucht
Redewendung (Idiom)Bildhaft, Bedeutung nicht aus den Wörtern ableitbar, wird in den Satz eingebaut und konjugiertjemandem die Daumen drücken, ins kalte Wasser springen, auf dem Holzweg seinStändig – im Gespräch, in Medien, im Büro
SprichwortGanzer, unveränderlicher Satz mit LebensweisheitÜbung macht den Meister. – Wer A sagt, muss auch B sagen.Selten – wirkt schnell belehrend
Feste Wendung / KollokationWörter, die üblicherweise zusammenstehen, ohne Bildeine Entscheidung treffen, Rücksicht nehmen, zur Verfügung stehenStändig – siehe Nomen-Verb-Verbindungen
RoutineformelFester Ausdruck für eine GesprächssituationMach's gut! – Das wär's. – Kein Problem. – Wie geht's?Ständig – schon ab A1

Redewendungen für den Beruf – neutral bis gehoben

Diese Wendungen sind in Besprechungen, E-Mails, Zeitungstexten und Prüfungen zu Hause. Sie sind unauffällig, präzise und ab B2 ein Zeichen für guten Stil:

RedewendungBedeutungBeispiel
etwas in Angriff nehmenmit etwas beginnenWir nehmen das Projekt nächste Woche in Angriff.
etwas ins Auge fassenetwas planen, erwägenWir fassen eine Erweiterung für 2027 ins Auge.
etwas zur Sprache bringenein Thema ansprechenIch möchte noch die Überstunden zur Sprache bringen.
auf der Hand liegenoffensichtlich seinDie Vorteile liegen auf der Hand.
etwas unter die Lupe nehmengenau prüfenWir sollten die Kosten unter die Lupe nehmen.
etwas in Frage stellenanzweifelnNiemand stellt Ihre Kompetenz in Frage.
den Rahmen sprengenzu umfangreich seinDas würde den Rahmen dieser Sitzung sprengen.
etwas auf den Punkt bringenpräzise formulierenSie haben das Problem auf den Punkt gebracht.
etwas auf die lange Bank schiebenaufschiebenWir sollten die Entscheidung nicht auf die lange Bank schieben.
etwas unter Dach und Fach bringenabschließenDer Vertrag ist unter Dach und Fach.
am Ball bleibendranbleibenIch bleibe am Ball und melde mich Freitag.
etwas über den Haufen werfeneinen Plan verwerfenDie neue Verordnung wirft unsere Planung über den Haufen.
grünes Licht gebengenehmigenDie Geschäftsführung hat grünes Licht gegeben.
an einem Strang ziehenzusammenarbeitenWichtig ist, dass alle Abteilungen an einem Strang ziehen.
ins kalte Wasser springen / geworfen werdenohne Vorbereitung anfangenAm ersten Tag wurde ich ins kalte Wasser geworfen.
etwas aus dem Ärmel schüttelnmühelos machenSo eine Präsentation schüttelt sie aus dem Ärmel.
zwei Fliegen mit einer Klappe schlagenzwei Ziele auf einmal erreichenMit dem Online-Kurs schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe.
die Kirche im Dorf lassennicht übertreibenLassen wir die Kirche im Dorf – es ist nur eine Verspätung.

Redewendungen für den Alltag – umgangssprachlich

Diese hört man im Gespräch mit Kollegen, Freunden und Nachbarn – nicht in Briefen:

RedewendungBedeutungBeispiel
jemandem die Daumen drückenGlück wünschenMorgen ist die Prüfung? Ich drück dir die Daumen!
die Nase voll habengenug haben, genervt seinIch hab die Nase voll von diesem Wetter.
jemanden auf die Palme bringenwütend machenDiese Warteschleife bringt mich auf die Palme.
auf dem Holzweg seinsich irrenWenn du das glaubst, bist du auf dem Holzweg.
das Handtuch werfenaufgebenNach dem dritten Versuch hat er das Handtuch geworfen.
Schwein habenunverdient Glück habenDa hast du aber Schwein gehabt!
unter einer Decke steckenheimlich zusammenarbeitenDie beiden stecken unter einer Decke.
jemandem auf den Keks / die Nerven gehennervenDer Lärm geht mir auf die Nerven.
nur Bahnhof verstehennichts verstehenBei dem Vortrag habe ich nur Bahnhof verstanden.
die Katze im Sack kaufenetwas ungeprüft kaufenOhne Probefahrt kaufst du die Katze im Sack.
Tomaten auf den Augen habenetwas Offensichtliches nicht sehenDer Schlüssel liegt doch da – hast du Tomaten auf den Augen?
ins Fettnäpfchen tretenetwas Peinliches sagenMit der Frage nach ihrem Alter bin ich ins Fettnäpfchen getreten.
den Faden verlierenbeim Sprechen den Zusammenhang verlierenEntschuldigung, ich habe den Faden verloren – wo war ich?
etwas auf dem Kasten habenfähig, klug seinDie neue Kollegin hat wirklich was auf dem Kasten.
auf Wolke sieben schwebenverliebt, überglücklich seinSeit dem Urlaub schwebt er auf Wolke sieben.
die Ohren steif haltendurchhalten (Abschiedsgruß)Halt die Ohren steif!
jemandem einen Bären aufbindenetwas Unwahres erzählenDas glaube ich nicht – da hat dir jemand einen Bären aufgebunden.
alles in Butteralles in OrdnungKeine Sorge, alles in Butter.
das ist nicht mein Bierdas geht mich nichts anWie er das organisiert, ist nicht mein Bier.
es schüttet wie aus Eimernes regnet starkNimm den Schirm, es schüttet wie aus Eimern.

Redewendungen mit Körperteilen

Eine der größten Gruppen – und ergiebig zum Lernen, weil das Bild hilft:

RedewendungBedeutungRegister
Hals über Kopfüberstürztneutral
etwas im Griff habenetwas kontrollierenneutral
jemandem unter die Arme greifenhelfenneutral
ein Auge zudrückennachsichtig seinneutral
auf eigenen Beinen stehenunabhängig seinneutral
Hand und Fuß habengut durchdacht seinneutral
den Kopf in den Sand steckenProbleme ignorierenneutral
etwas auf dem Herzen habenein Anliegen habenneutral
kein Blatt vor den Mund nehmenoffen redenneutral
sich etwas hinter die Ohren schreibensich etwas merkenumgangssprachlich
die Beine in die Hand nehmenschnell weglaufenumgangssprachlich
jemandem auf der Nase herumtanzenjemanden nicht respektierenumgangssprachlich
die Haare vom Kopf fressensehr viel essen (Kinder)umgangssprachlich
etwas übers Knie brechenetwas überstürzt entscheidenneutral

Die Routineformeln, die jeder ab A1 braucht

  • Begrüßung und Abschied: Wie geht's? – Es geht so. / Muss ja. – Mach's gut! – Bis dann! – Schönen Feierabend! – Kommen Sie gut nach Hause.
  • Reaktionen: Kein Problem. – Passt schon. – Alles klar. – Das wär's. – Na ja. – Ach so! – Was soll's. – Von mir aus. – Da kann man nichts machen.
  • Zustimmung und Ablehnung: Genau. – Das stimmt. – Da bin ich ganz bei Ihnen. – Das sehe ich anders. – Kommt darauf an.
  • Glück und Trost: Viel Erfolg! – Toi, toi, toi! – Gute Besserung! – Kopf hoch! – Das wird schon.
  • Bei Fehlern: Kein Ding. – Halb so wild. – Schwamm drüber. – Das kann jedem passieren.

Diese Formeln stehen nicht in Grammatikbüchern, aber sie tragen jedes Gespräch – und sie sind der Einstieg in den Small Talk.

Redewendungen lernen: die Methode

1

Sammeln, was Sie hören

Nicht aus 500er-Listen lernen, sondern das notieren, was Ihnen in Serien, Podcasts, Gesprächen und Zeitungen begegnet – mit dem Satz, in dem es stand. Was Sie einmal gehört haben, hören Sie wieder.

2

Drei Informationen pro Wendung

Bedeutung, Beispielsatz, Register. die Nase voll haben – genug haben – umgangssprachlich – „Ich hab die Nase voll von den Überstunden.“ Ohne Register ist die Wendung gefährlich.

3

Das Bild verstehen

Wer weiß, dass Holzweg ein Weg zum Holzholen ist, der im Wald endet, vergisst auf dem Holzweg sein nicht mehr. Für viele Wendungen gibt es eine kurze Geschichte – fragen Sie danach.

4

Zehn aktiv, der Rest passiv

Wählen Sie zehn Wendungen, die zu Ihrem Leben passen, und bauen Sie sie in Sätze über Ihre Woche ein. Alles andere reicht zum Verstehen. Ein falsch gesetztes Idiom fällt mehr auf als ein fehlendes.

Typische Fehler – und was dagegen hilft

FehlerWas dagegen hilft
Wörtlich aus der Muttersprache übersetzen – Es regnet Katzen und HundeImmer die deutsche Entsprechung suchen: Es schüttet wie aus Eimern. Viele Bilder sind sprachspezifisch.
Wörter austauschen – die Nase satt haben, auf dem Holzpfad seinRedewendungen sind fest – kein Synonym, kein anderer Artikel, keine andere Präposition. Als ganzen Block lernen.
Falsches Register – Sehr geehrte Frau Weber, ich habe die Nase voll von den LieferverzögerungenIm Brief: Die wiederholten Lieferverzögerungen sind für uns nicht mehr akzeptabel. Register immer mitlernen; im Zweifel neutral formulieren.
Zu viele auf einmal – jeder zweite Satz ein IdiomEine Redewendung pro Gesprächsthema, in Texten eine pro Absatz. Muttersprachler benutzen sie unauffällig, nicht demonstrativ.
Veraltete Wendungen aus alten Lehrbüchern – Das ist mir Wurst, Holla die WaldfeeNur lernen, was Sie tatsächlich hören. Was in der Liste steht, aber Ihnen nie begegnet, ist wahrscheinlich veraltet oder regional.
Grammatik vergessen – Ich drücke dich die DaumenAuch in Redewendungen gelten die Fälle: jemandem (Dativ) die Daumen drücken – ich drücke dir die Daumen. Siehe Verben mit Dativ.
Sprichwörter als Argument – Übung macht den Meister, deshalb … in der StellungnahmeSprichwörter gelten in Prüfungstexten als schwaches Argument und wirken belehrend. Stattdessen konkrete Beispiele.

Was auf welcher Stufe erwartet wird

StufeErwartung
A2Routineformeln aktiv (Mach's gut, kein Problem, alles klar, viel Erfolg); erste bildhafte Wendungen verstehen (Daumen drücken, die Nase voll haben)
B1Die 20 häufigsten Alltagsredewendungen verstehen und einige benutzen; Redewendungen in Hörtexten nicht mehr als Störung erleben; Routineformeln für Beruf und Gespräch sicher
B2Neutrale Wendungen in Stellungnahmen und Berichten (auf der Hand liegen, in Frage stellen, eine Rolle spielen); umgangssprachliche Wendungen erkennen und vom formellen Register trennen; Redewendungen in Zeitungstexten und Interviews verstehen
C1Idiomatische Sprache in allen Registern verstehen, inklusive Ironie und Abwandlungen (Da liegt der Hund begraben – oder der Hase im Pfeffer); Wendungen gezielt und sparsam als Stilmittel einsetzen; Sprichwörter und ihre Verwendung kennen; Redewendungen in Literatur und Feuilleton

So arbeiten wir im Unterricht daran

Redewendungen kommen im Einzelunterricht nicht als Liste, sondern aus dem Material, mit dem wir arbeiten: aus dem Zeitungsartikel, dem Podcast, dem Meeting, das Sie nacherzählen. Ich erkläre Bild und Herkunft, wir klären das Register, und Sie bauen die Wendung in einen Satz über Ihre Woche ein. So entsteht eine persönliche Sammlung von Wendungen, die Sie wirklich brauchen – im Beruf andere als im Gespräch mit Nachbarn. Für B2 und C1 üben wir gezielt die neutralen Wendungen für Stellungnahmen und Vorträge und das Verstehen idiomatischer Sprache im Hörverstehen. Die Methode dahinter beschreibt Wortschatz aufbauen.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen einer Redewendung und einem Sprichwort?

Eine Redewendung (Idiom) ist ein fester Ausdruck, dessen Bedeutung sich nicht aus den einzelnen Wörtern ergibt, und der in einen Satz eingebaut wird: jemandem die Daumen drücken, ins kalte Wasser springen. Sie wird konjugiert und angepasst. Ein Sprichwort ist ein vollständiger, unveränderlicher Satz mit einer Lebensweisheit: Übung macht den Meister.

Redewendungen braucht man ständig, Sprichwörter selten – und wer sie zu oft benutzt, klingt belehrend.

Ab welchem Niveau sollte ich Redewendungen lernen?

Verstehen ab B1 – sie kommen in jedem Gespräch, in Nachrichten und in Hörtexten vor. Selbst benutzen ab B2, und dann bewusst dosiert: eine gut gesetzte Redewendung wirkt souverän, drei in einem Absatz wirken bemüht.

Auf C1 wird erwartet, dass man idiomatische Sprache versteht und angemessen einsetzt. Für A1 und A2 reichen die festen Alltagswendungen (Wie geht's? – Es geht so. – Mach's gut!).

Wie lerne ich Redewendungen, ohne sie falsch zu benutzen?

Immer mit drei Informationen: Bedeutung, Beispielsatz aus einer echten Situation und Register (neutral, umgangssprachlich, gehoben). Nur Wendungen lernen, die Sie selbst gehört oder gelesen haben – nicht aus Listen mit 500 Einträgen.

Erst passiv sammeln, dann die zehn häufigsten aktiv üben, indem Sie sie in eigene Sätze einbauen. Eine Wendung, bei der Sie unsicher sind, lieber weglassen.

Kann ich Redewendungen aus meiner Sprache wörtlich übersetzen?

Nur selten. Manche Bilder gibt es in vielen Sprachen (das Eis brechen, Zeit ist Geld), viele aber nicht – und wörtliche Übersetzungen führen zu Sätzen, die niemand versteht. Der sichere Weg: die deutsche Entsprechung suchen (it's raining cats and dogs → es schüttet wie aus Eimern).

Falsche Freunde sind verbreitet: to make sense ist im Standard nicht „Sinn machen“, sondern Sinn ergeben – auch wenn „Sinn machen“ inzwischen sehr häufig gesagt wird.

Welche Redewendungen kann ich in einer formellen E-Mail oder Prüfung benutzen?

Nur neutrale und gehobene: etwas in Angriff nehmen, zur Sprache bringen, ins Auge fassen, auf der Hand liegen, eine Rolle spielen, unter die Lupe nehmen, in Frage stellen, den Rahmen sprengen. Diese gehören zum Wortschatz von B2/C1-Texten.

Umgangssprachliche Wendungen wie die Nase voll haben oder auf die Palme bringen gehören ins Gespräch unter Freunden, nicht in eine Stellungnahme oder einen Geschäftsbrief.

Preise

Einzelunterricht

45 € / 60 Min.

100 % individuell · alle Niveaus

Kleingruppe

30 € / Person · 60 Min.

2–3 Personen · kommunikativ

Prüfungsvorbereitung

50 € / 60 Min.

Einzelcoaching · alle Formate

10er-Pakete mit Rabatt gibt es auf Anfrage, das Erstgespräch ist kostenlos. Alle Preise unter Was kostet ein Deutschkurs?

Verstehen, was zwischen den Wörtern steht

Wenn Sie jedes Wort verstehen und trotzdem nicht den Satz, sind es meist die Redewendungen. Im Einzelunterricht sammeln wir die Wendungen aus Ihrem Alltag und Beruf, klären Bild und Register und üben sie so lange, bis sie natürlich klingen. Das Erstgespräch ist kostenlos.

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