Die Grundidee
Ein Infinitivsatz ist ein verkürzter Nebensatz: Er hat kein eigenes Subjekt und kein konjugiertes Verb, sondern endet auf zu + Infinitiv. Das Subjekt ergibt sich aus dem Hauptsatz:
- Ich hoffe, die Prüfung zu bestehen. (= Ich hoffe, dass ich die Prüfung bestehe.)
- Es ist wichtig, jeden Tag zu üben.
- Ich habe keine Zeit, lange zu warten.
- Sie hat mir empfohlen, einen Kurs zu machen.
Der Infinitiv mit zu steht – wie das Verb im Nebensatz – am Ende. Alles, was zum Infinitiv gehört (Objekte, Angaben), kommt davor.
Wo steht zu? Die Formregeln
| Verbtyp | Regel | Beispiel |
|---|---|---|
| einfaches Verb | zu vor dem Infinitiv, getrennt | Ich versuche, pünktlich zu kommen. |
| trennbares Verb | zu zwischen Vorsilbe und Verb, ein Wort | Ich habe vergessen, Sie anzurufen. – Er hat vor, früh aufzustehen. |
| untrennbares Verb (be-, ver-, er-, ent-, emp-, ge-, zer-, miss-) | zu davor, getrennt | Es ist schwer, das zu verstehen. |
| Verb auf -ieren | zu davor, getrennt | Ich habe keine Lust, das zu diskutieren. |
| Infinitiv Perfekt (B2) | zu vor haben/sein | Er behauptet, das nicht gewusst zu haben. |
| Passiv-Infinitiv (B2) | zu vor werden | Er hofft, eingeladen zu werden. |
Die trennbaren Verben sind die Fehlerquelle: anzurufen, einzukaufen, mitzubringen, vorzubereiten – zu sitzt in der Mitte, und alles wird zusammengeschrieben. Welche Vorsilben trennbar sind, steht unter Trennbare Verben.
Wann steht der Infinitiv mit zu?
Nach drei Arten von Auslösern – jeweils mit den häufigsten Beispielen:
| Auslöser | häufige Beispiele | Satz |
|---|---|---|
| Verben | anfangen, beginnen, aufhören, vergessen, versuchen, vorhaben, planen, hoffen, sich freuen, sich weigern, versprechen, vorschlagen, empfehlen, bitten, erlauben, verbieten, raten, helfen, scheinen, vermeiden, sich entscheiden | Ich habe angefangen, Deutsch zu lernen. – Sie bittet mich, ihr zu helfen. |
| Adjektive nach es ist | wichtig, schwer, leicht, möglich, nötig, erlaubt, verboten, gesund, interessant, üblich, sinnvoll | Es ist wichtig, regelmäßig zu sprechen. |
| Nomen (meist mit haben) | Lust, Zeit, Angst, die Möglichkeit, die Absicht, die Gelegenheit, das Ziel, der Plan, der Wunsch, Spaß, Schwierigkeiten | Ich habe keine Lust, heute zu kochen. – Er hat die Möglichkeit, im Ausland zu arbeiten. |
Wann bleibt der Infinitiv ohne zu?
Eine feste Gruppe von Verben nimmt den reinen Infinitiv – ohne zu und ohne Komma. Diese Liste sollten Sie kennen, weil hier das zu häufig zu viel gesetzt wird:
| Gruppe | Verben | Beispiel |
|---|---|---|
| Modalverben | können, müssen, dürfen, sollen, wollen, möchten | Ich muss morgen arbeiten. (nicht: zu arbeiten) |
| Wahrnehmung | sehen, hören, spüren, fühlen | Ich höre ihn singen. |
| Bewegung | gehen, kommen, fahren | Wir gehen schwimmen. – Kommst du essen? |
| lassen, bleiben, werden | – | Ich lasse das Auto reparieren. – Er bleibt stehen. – Ich werde kommen. |
| schwankend | lernen, helfen, lehren | Ich lerne schwimmen. / Ich helfe dir, das Formular auszufüllen. (mit Erweiterung meist zu) |
Die Modalverben sind der Klassiker: Wer aus dem Englischen I want to go überträgt, schreibt Ich will zu gehen. Im Deutschen nie. Mehr zu den Modalverben und ihrer Satzklammer unter Modalverben.
um … zu, ohne … zu, (an)statt … zu
Drei Infinitivkonstruktionen haben eine feste Einleitung und eine feste Bedeutung. Sie funktionieren nur, wenn das Subjekt des Hauptsatzes auch das (gedachte) Subjekt des Infinitivs ist – sonst braucht man den Nebensatz mit dass:
| Konstruktion | Bedeutung | gleiches Subjekt → Infinitiv | anderes Subjekt → Nebensatz |
|---|---|---|---|
| um … zu | Ziel, Zweck (wozu?) | Ich lerne Deutsch, um in Deutschland zu arbeiten. | Ich lerne Deutsch, damit meine Kinder stolz sind. |
| ohne … zu | etwas passiert nicht (dabei) | Er ging, ohne sich zu verabschieden. | Er ging, ohne dass jemand es bemerkte. |
| (an)statt … zu | Alternative, die nicht gewählt wurde | Sie lernt, statt fernzusehen. | Sie lernt, anstatt dass ihr Bruder ihr hilft. |
um … zu und damit sind das häufigste Prüfungspaar: Beide drücken einen Zweck aus – um … zu bei gleichem Subjekt, damit bei verschiedenen Subjekten (oder auch bei gleichem). Die Details zu damit und den anderen Konjunktionen stehen unter Nebensätze und Konjunktionen.
Infinitivsatz oder dass-Satz?
Viele Verben erlauben beides. Die Entscheidung folgt einer klaren Regel:
| Situation | Form | Beispiel |
|---|---|---|
| Subjekt im Hauptsatz = Subjekt im Nebensatz | Infinitiv möglich (eleganter) | Ich hoffe, dass ich bestehe. → Ich hoffe, zu bestehen. |
| Objekt im Hauptsatz = Subjekt im Nebensatz (bei bitten, empfehlen, erlauben, raten, helfen) | Infinitiv möglich | Ich bitte Sie, dass Sie mich zurückrufen. → Ich bitte Sie, mich zurückzurufen. |
| verschiedene Subjekte | nur dass | Ich hoffe, dass du bestehst. (kein Infinitiv möglich) |
| Verben, die keinen Infinitiv erlauben | nur dass | Ich weiß, dass … – Ich glaube, dass … – Sie sagt, dass … |
Für Prüfungen ab B1 lohnt sich der Infinitiv: Er ist kürzer, vermeidet die Wiederholung des Subjekts und zeigt, dass Sie die Struktur beherrschen. In der Schreibbewertung zählt das unter „Bandbreite der Strukturen“ – siehe Schreiben üben.
Komma oder nicht?
Die Kommaregeln für Infinitivgruppen sind seit der Rechtschreibreform lockerer, aber nicht beliebig. Drei Fälle mit Pflichtkomma, ein Fall mit Wahlfreiheit:
| Fall | Komma | Beispiel |
|---|---|---|
| mit um, ohne, (an)statt, außer, als | Pflicht | Ich lerne, um zu bestehen. |
| abhängig von einem Nomen | Pflicht | Ich habe die Absicht, zu kündigen. |
| angekündigt durch es, darauf, daran, dazu … | Pflicht | Ich freue mich darauf, Sie kennenzulernen. – Es ist wichtig, pünktlich zu sein. |
| einfacher Infinitiv nach Verb, ohne Erweiterung | frei (meist ohne) | Ich versuche zu schlafen. |
| erweiterter Infinitiv nach Verb | frei (empfohlen: mit) | Ich versuche, jeden Abend früh zu schlafen. |
Praktischer Rat für Lernende: Setzen Sie das Komma vor jeder erweiterten Infinitivgruppe. Es ist nie falsch, macht den Satz lesbarer und erspart die Frage, ob gerade ein Pflichtfall vorliegt.
haben + zu, sein + zu, brauchen + zu (B2)
Drei Konstruktionen mit zu ersetzen Modalverben – typisch für Anweisungen, Behördentexte und formelle Schreiben:
| Konstruktion | entspricht | Beispiel |
|---|---|---|
| haben + zu | müssen (aktiv) | Sie haben das Formular bis Freitag einzureichen. = Sie müssen es einreichen. |
| sein + zu | müssen / können (passiv) | Der Antrag ist persönlich abzugeben. = Er muss abgegeben werden. – Das Problem ist leicht zu lösen. = Es kann gelöst werden. |
| nicht brauchen + zu | nicht müssen | Sie brauchen nicht zu kommen. = Sie müssen nicht kommen. |
sein + zu ist eine der häufigsten Passiv-Ersatzformen in Behördenbriefen (Die Unterlagen sind vorzulegen) – mehr dazu unter Passiv und Behördenbriefe verstehen. brauchen ohne zu (Du brauchst nicht kommen) ist gesprochen verbreitet; die Standardform hat zu.
Was auf welcher Stufe verlangt wird
| Stufe | Erwartung |
|---|---|
| A2 | Feste Wendungen: Ich habe keine Lust/Zeit, … zu …, Es ist wichtig, … zu …; erste um … zu-Sätze – siehe A2-Kurs |
| B1 | Infinitiv mit zu nach den häufigen Verben, Adjektiven und Nomen; zu bei trennbaren Verben; um/ohne/statt … zu; Unterschied zum dass-Satz – siehe B1-Kurs |
| B2 | haben/sein/brauchen + zu; Infinitiv Perfekt und Passiv; Kommaregeln sicher; scheinen, pflegen, drohen + zu – siehe B2-Kurs |
| C1 | Infinitivkonstruktionen als Stilmittel; Nominalisierung von Infinitivsätzen (um zu bestehen → zum Bestehen); als … zu nach Komparativ |
Typische Fehler – und was dagegen hilft
- zu nach Modalverb: Ich muss zu arbeiten. Gegenmittel: Modalverben, lassen, gehen, sehen, hören → nie zu.
- zu vergessen: Ich habe vergessen, dich anrufen. Gegenmittel: Zwei Verben, kein Modalverb? Dann zu.
- zu vor dem trennbaren Verb: zu anrufen, zu einkaufen. Gegenmittel: Vorsilbe + zu + Verb, ein Wort – anzurufen.
- um … zu mit anderem Subjekt: Ich lerne Deutsch, um meine Kinder stolz zu sein. Gegenmittel: anderes Subjekt → damit.
- Subjekt im Infinitivsatz: Ich hoffe, ich zu bestehen. Gegenmittel: Der Infinitivsatz hat nie ein Subjekt.
- Infinitiv nicht am Ende: Ich habe vor, zu machen die Prüfung. Gegenmittel: zu + Infinitiv steht ganz hinten, wie das Verb im Nebensatz – siehe Satzbau.
Infinitivsätze übt man am besten beim Sprechen über Pläne, Absichten und Gründe – Ich habe vor …, Ich versuche …, um … zu … Genau so machen wir es im Unterricht, mit Korrektur an der Stelle, an der zu fehlt oder zu viel ist. Wie ich Grammatik unterrichte, beschreibt die Seite Deutsche Grammatik verstehen.
Häufige Fragen
Wann steht der Infinitiv mit zu?
Wenn ein zweites Verb im Infinitiv von einem Verb (versuchen, vorhaben, vergessen, hoffen, empfehlen, bitten …), einem Adjektiv (Es ist wichtig, …) oder einem Nomen (Ich habe Lust/Zeit/Angst, …) abhängt – und das erste Verb kein Modalverb ist.
Der Infinitiv mit zu steht am Satzende: Ich habe vor, die Prüfung zu machen.
Wann steht der Infinitiv ohne zu?
Nach den Modalverben (können, müssen, dürfen, sollen, wollen, möchten), nach lassen, bleiben, werden, nach Wahrnehmungsverben (sehen, hören, fühlen) und nach Bewegungsverben (gehen, kommen, fahren): Ich muss arbeiten. Wir gehen schwimmen. Ich höre ihn singen.
lernen und helfen schwanken: ohne Erweiterung meist ohne zu, mit Erweiterung meist mit.
Wo steht zu bei trennbaren Verben?
Zwischen Vorsilbe und Verb, in einem Wort: anzurufen, einzukaufen, mitzubringen, vorzubereiten, aufzustehen. Bei untrennbaren Verben und Verben auf -ieren steht zu getrennt davor: zu verstehen, zu studieren.
Was ist der Unterschied zwischen um … zu und damit?
Beide drücken einen Zweck aus. um … zu geht nur, wenn das Subjekt des Hauptsatzes auch das gedachte Subjekt des Infinitivs ist: Ich lerne Deutsch, um hier zu arbeiten. Bei verschiedenen Subjekten braucht man damit: Ich lerne Deutsch, damit meine Kinder mich verstehen.
damit ist auch bei gleichem Subjekt möglich, um … zu bei verschiedenen nicht.
Muss vor dem Infinitiv mit zu ein Komma stehen?
Pflicht ist es bei um/ohne/(an)statt/außer/als … zu, wenn der Infinitiv von einem Nomen abhängt (die Absicht, zu kündigen) und wenn er durch es, darauf, daran usw. angekündigt wird. In den übrigen Fällen ist das Komma freigestellt.
Für Lernende ist der einfachste Weg: Komma vor jede erweiterte Infinitivgruppe – das ist nie falsch.
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