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Grammatik & Wortschatz · B1 bis C1

Wortbildung: Wie deutsche Wörter gebaut sind – und wie man sie erschließt

Aufenthaltserlaubnisverlängerungsantrag. Ein Wort, das kein Wörterbuch enthält – und das jeder Muttersprachler beim ersten Lesen versteht, weil er es zerlegt: Antrag auf Verlängerung der Erlaubnis zum Aufenthalt. Das Deutsche baut seine Wörter aus wenigen Bausteinen: Vorsilben, Nachsilben und zusammengesetzten Wörtern. Wer die Bausteine kennt, versteht Wörter, die er nie gelernt hat, und braucht für jedes neue Wort nicht eine Karteikarte, sondern eine Wortfamilie. Hier stehen die Bausteine mit ihrer Bedeutung.

Warum Wortbildung der schnellste Weg zu mehr Wortschatz ist

Ein deutscher Muttersprachler kennt nicht deshalb so viele Wörter, weil er sie alle gelernt hat, sondern weil er sie bilden und zerlegen kann. Aus dem einen Verb fahren entstehen ohne neues Lernen abfahren, anfahren, erfahren, verfahren, die Fahrt, die Abfahrt, die Erfahrung, das Fahrzeug, der Fahrer, fahrbar, die Fahrbahn, das Fahrrad, der Fahrplan, die Fahrkarte – fünfzehn Wörter, die alle einen Kern teilen. Für Lernende heißt das: Jede Stunde, die in die Bausteine investiert wird, zahlt sich bei jedem neuen Text aus. Auf B2 und C1 ist Wortbildung außerdem ein eigener Prüfungsgegenstand – dazu unten mehr.

Vorsilben bei Verben: Was be-, ver-, er-, ent- und zer- bedeuten

Die trennbaren Vorsilben (an-, auf-, aus-, ein-, mit-, zu-) haben meist eine räumliche Bedeutung, die man aus der Präposition ableiten kann. Die untrennbaren Vorsilben sind schwerer, weil sie abstrakt sind – aber sie haben Tendenzen, die in den meisten Fällen tragen:

VorsilbeTypische BedeutungBeispiele
be-macht ein Verb transitiv (es bekommt ein Akkusativobjekt); „etwas mit etwas versehen“; Richtung auf ein Zielantworten auf → beantworten · sprechen über → besprechen · bearbeiten, bezahlen, besuchen, beraten, beschreiben, befragen, bekommen, bewohnen · mit Nomen: beleuchten, bewässern, beschriften
ver-1. Veränderung bis zum Ende, oft „weg“ oder „falsch“: vergehen, verreisen, verschlafen, sich verfahren, sich versprechen · 2. aus Adjektiven: „… machen / werden“: verbessern, verkürzen, vergrößern, verändern, sich verspäten · 3. Abschluss: verkaufen, vermieten, verbrauchen, verwendendie häufigste Vorsilbe; ver- + Adjektiv ist fast immer „… machen“: verdeutlichen, vereinfachen, verbilligen, verlängern
er-1. Beginn oder Erreichen eines Ziels: erreichen, erkennen, erfahren, erlernen, erarbeiten, ermöglichen · 2. aus Adjektiven: „… werden“ (Zustandswechsel): erröten, erkranken, erblinden, ermüden, sich erkälten · 3. bis zum Tod: ertrinken, erfrieren, ersticken, erschießener- + Adjektiv = werden, ver- + Adjektiv = machen: erkranken (krank werden) – verbessern (besser machen)
ent-1. Entfernen, Wegnehmen: entfernen, entlassen, entkommen, entladen, entwaffnen, entsorgen, entschuldigen (Schuld wegnehmen) · 2. Beginn: entstehen, entdecken, entwickeln, entzünden · 3. Gegenteil: entspannen (spannen) · entmutigen (ermutigen)ent- ist das Gegenstück zu be- und ver-: bewaffnen – entwaffnen, verschlüsseln – entschlüsseln, beladen – entladen
zer-Zerstörung, in Teile: zerbrechen, zerstören, zerreißen, zerschneiden, zerlegen, zerfallen, zerstreueneindeutigste Vorsilbe – fast immer „kaputt / in Stücke“
miss-falsch, schlecht: missverstehen, misslingen, missbrauchen, missachten, misstrauen, missfallenauch bei Nomen: der Misserfolg, das Missverständnis, die Missachtung
ge-meist verblasst; Zustand oder Ergebnis: gehören, gefallen, gelingen, gebrauchen, genießen, gestehenAchtung: Diese Verben bekommen im Partizip II kein zweites ge-: gehört, gefallen, gelungen
emp-, hinter-, wider-empfehlen, empfangen, empfinden · hinterlassen, hinterfragen · widersprechen, widerstehen, sich widersetzenkleine, feste Gruppen

Alle untrennbaren Vorsilben sind unbetont, und ihr Partizip II hat kein ge-: besucht, verkauft, erreicht, entdeckt, zerstört, missverstanden. Die Vorsilben durch-, über-, um-, unter-, wieder- gibt es in beiden Varianten – trennbar und betont mit konkreter Bedeutung (ich setze über = über den Fluss), untrennbar und unbetont mit abstrakter (ich übersetze = in eine andere Sprache). Mehr dazu unter Trennbare Verben.

Negation und Gegenteil: un-, nicht-, -los, -frei

BausteinBedeutungBeispiele
un-Gegenteil bei Adjektiven und Nomen; die häufigste Negationunfreundlich, unmöglich, unklar, ungenau, unzufrieden, unbekannt, unabhängig · die Unordnung, das Unglück, die Ungeduld
-los„ohne“arbeitslos, kostenlos, sinnlos, hilflos, fehlerlos, erfolglos, obdachlos, rücksichtslos → Nomen: die Arbeitslosigkeit
-frei„ohne“ – aber positiv gemeint, als Vorteilalkoholfrei, kostenfrei, fehlerfrei, barrierefrei, steuerfrei, bleifrei
nicht-Negation bei Nomen, oft amtlichder Nichtraucher, die Nichtbeachtung, das Nichterscheinen, die Nichtregierungsorganisation
a-, in-/im-/il-/ir-, des-, dis-, non-Negation in Fremdwörternasozial, atypisch · inakzeptabel, immobil, illegal, irrelevant · desinteressiert, Desinfektion · diskontinuierlich · nonverbal
anti-, gegen-„dagegen“antibakteriell, der Antikörper · der Gegensatz, der Gegenvorschlag, gegenseitig

Nachsilben bei Nomen – und das Genus, das sie verraten

Nachsilben sind der zuverlässigste Hinweis auf das Genus, den das Deutsche bietet. Wer die Tabelle kennt, weiß bei jedem Wort auf -ung, -heit oder -chen den Artikel, ohne das Wort je gesehen zu haben:

GenusNachsilbeBildet ausBeispiele
feminin-ungVerben → Vorgang/Ergebnisdie Prüfung, Bedeutung, Erfahrung, Meinung, Anmeldung, Entscheidung
-heit, -keit, -igkeitAdjektiven → Eigenschaft; -keit nach -ig, -lich, -bar, -samdie Freiheit, Gesundheit, Schönheit · die Möglichkeit, Freundlichkeit, Sicherheit · die Schnelligkeit, Müdigkeit
-schaftNomen → Gruppe/Zustanddie Freundschaft, Wissenschaft, Gesellschaft, Mannschaft, Landschaft
-ei, -ereiOrt oder (abwertend) Tätigkeitdie Bäckerei, Bücherei, Partei · die Fragerei, Schreierei
-inmaskulinen Personen → weibliche Formdie Lehrerin, Ärztin, Kollegin, Chefin (oft mit Umlaut)
-ion, -tät, -ik, -ur, -enz, -anz, -ie, -ageFremdwörterdie Nation, Qualität, Politik, Kultur, Konferenz, Toleranz, Energie, Garage
maskulin-er, -ler, -nerVerben → handelnde Person oder Gerätder Lehrer, Fahrer, Sprecher, Drucker, Staubsauger · der Sportler, Künstler · der Rentner, Schuldner
-lingPerson (oft passiv), Kleinesder Lehrling, Flüchtling, Liebling, Schmetterling, Frühling
-ismus, -ist, -ant, -ent, -eur, -orFremdwörter (viele in der n-Deklination)der Tourismus, Journalist, Praktikant, Student, Friseur, Motor, Direktor
-ig, -ichwenige feste Wörterder Honig, König, Käfig · der Teppich, Rettich
ohne Endung, vom VerbstammVerben → Vorgangder Beginn, Fall, Flug, Sprung, Schlaf, Kauf, Verkauf, Besuch
neutral-chen, -leinNomen → Verkleinerung (mit Umlaut)das Mädchen, Brötchen, Häuschen, Stückchen · das Fräulein, Büchlein
-nis, -tum, -salmeist neutral (Ausnahmen: die Erlaubnis, die Kenntnis, der Reichtum, der Irrtum)das Ergebnis, Verhältnis, Zeugnis · das Eigentum, Wachstum · das Schicksal
Ge-…(-e)Sammelbegriff, wiederholte Handlungdas Gebäude, Gebirge, Gepäck, Gespräch, Gemüse, Gerede
-ment, -um, -ma, -o · substantivierter InfinitivFremdwörter · Verben als Nomendas Dokument, Zentrum, Thema, Konto · das Lernen, Essen, Schreiben

Nachsilben bei Adjektiven

NachsilbeBedeutungBeispiele
-bar„kann … werden“ (Passiv + können) – die produktivste Adjektivendung, aus transitiven Verbenmachbar, lesbar, essbar, erreichbar, verfügbar, bezahlbar, denkbar, unvermeidbar, unverzichtbar
-lichArt, Beziehung, Tendenz; aus Nomen, Verben, Adjektiven; oft mit Umlautfreundlich, täglich, beruflich, möglich, verständlich, rötlich, ärztlich, gesetzlich, schriftlich, mündlich
-ig„hat / ist voll von“; aus Nomen, oft mit Umlautfleißig, mutig, geduldig, hungrig, sonnig, richtig, wichtig, eilig, vorsichtig, einmalig
-ischHerkunft, Wissenschaft, (oft abwertende) Eigenschaftdeutsch, europäisch, politisch, praktisch, kritisch, technisch · kindisch (abwertend, vgl. kindlich)
-voll / -reich / -arm„voller / viel“ / „wenig“sinnvoll, wertvoll, verantwortungsvoll · erfolgreich, hilfreich, umfangreich, zahlreich · kalorienarm, einkommensarm, fettarm
-haft„in der Art von“fehlerhaft, glaubhaft, schülerhaft, dauerhaft, lebhaft, zweifelhaft
-samNeigung, Eigenschaft; aus Verben und Nomensparsam, langsam, aufmerksam, wirksam, gemeinsam, seltsam
-mäßig / -gemäß„in Bezug auf, entsprechend“ – Verwaltungs- und Alltagsspracheregelmäßig, verhältnismäßig, zeitmäßig · ordnungsgemäß, vertragsgemäß, plangemäß
-fähig / -wert / -würdig„kann“ / „verdient“arbeitsfähig, lernfähig, konkurrenzfähig · lesenswert, sehenswert, empfehlenswert · glaubwürdig, vertrauenswürdig, fragwürdig
-abel/-ibel, -iv, -ell, -al, -ös, -ant/-entFremdwörterakzeptabel, flexibel, aktiv, kreativ, offiziell, formal, nervös, elegant, intelligent

Komposita: Wie man zusammengesetzte Wörter liest und baut

Das Deutsche schreibt zusammen, was zusammengehört. Die drei Regeln, mit denen jedes Kompositum lesbar wird:

  • Das Grundwort steht rechts – es bestimmt Genus, Plural und Wortart. Der Kurs + die Sprache → der Sprachkurs. Das Zimmer + die Kinder → das Kinderzimmer. Alles links davon ist Bestimmungswort und sagt, welche Art von Grundwort gemeint ist.
  • Von hinten lesen: Aufenthalts·erlaubnis·verlängerung = die Verlängerung ← der Erlaubnis ← zum Aufenthalt. Bei drei und mehr Teilen zuerst das letzte Wort suchen, dann Schritt für Schritt nach links.
  • Der Akzent liegt auf dem ersten Teil: SPRACHkurs, KINderzimmer, AUFenthaltserlaubnis. Wer das Bestimmungswort betont, wird als Kompositum verstanden; wer beide Teile gleich betont, wird als zwei Wörter gehört. Siehe Aussprache.
FugeWannBeispiele
keine Fugeder NormalfallSprachkurs, Haustür, Autobahn, Tischlampe, Bahnhof
-s- (Fugen-s)fast immer nach -ung, -heit, -keit, -schaft, -tät, -ion, -tum, -ling; oft nach maskulinen und neutralen Nomen mit Genitiv-s; nach substantivierten Infinitiven (-ens)Prüfungsangst, Gesundheitsamt, Freundschaftsspiel, Universitätsklinik, Arbeitszeit, Geburtstag, Liebesbrief, Lebensmittel
-n- / -en-nach femininen Nomen auf -e und Nomen der n-Deklination; oft Plural-BedeutungStraßenbahn, Sonnenbrille, Küchentisch, Studentenwohnheim, Kundendienst, Familienname
-er- / -e-Pluralform des BestimmungswortesKinderzimmer, Bücherregal, Wörterbuch, Hühnerei · Hundehütte, Tagebuch, Pferdestall
VerbstammVerb als Bestimmungswort, ohne -enSchreibtisch, Waschmaschine, Fahrkarte, Lesebrille, Wartezimmer, Parkplatz
Adjektiv / Präpositionals BestimmungswortGroßstadt, Kleinkind, Hochhaus, Rotwein · Vorname, Nachteil, Mitarbeiter, Zwischenzeit

Eine sichere Regel für das Fugen-s gibt es nicht – aber die Tendenz nach -ung, -heit, -keit, -schaft, -ion, -tät ist so stabil, dass sie als Regel taugt: Nach diesen Endungen steht praktisch immer ein -s-. Bei Unsicherheit hilft das Wörterbuch; in der Prüfung ist ein fehlendes Fugen-s ein kleiner Fehler, ein falsches Grundwort ein großer.

Wortfamilien: die Lernmethode, die aus einem Wort zehn macht

Statt einzelne Wörter zu lernen, lohnt es sich ab B1, jedes wichtige Wort als Familie zu notieren – Verb, Nomen, Adjektiv, Person, Gegenteil, Komposita. Ein Beispiel:

WortartFamilie „arbeiten“Familie „entscheiden“Familie „sicher“
Verbarbeiten, bearbeiten, verarbeiten, erarbeiten, mitarbeiten, überarbeiten, abarbeitenentscheiden, sich entscheiden, unterscheiden, scheidensichern, versichern, absichern, sicherstellen
Nomendie Arbeit, der Arbeiter, der Arbeitgeber, der Arbeitnehmer, die Arbeitslosigkeit, die Bearbeitung, die Zusammenarbeit, der Mitarbeiterdie Entscheidung, der Unterschied, die Scheidung, die Unterscheidungdie Sicherheit, die Versicherung, die Sicherung, die Unsicherheit
Adjektiv / Partiziparbeitslos, arbeitsfähig, arbeitsam, überarbeitet, bearbeitbarentscheidend, entschieden, unentschieden, unterschiedlich, entscheidbarsicher, unsicher, versichert, gesichert
Feste VerbindungArbeit suchen / finden / verlieren, zur Arbeit gehen, in Arbeit seineine Entscheidung treffen, zu einer Entscheidung kommen – siehe Nomen-Verb-Verbindungenauf Nummer sicher gehen, sich sicher sein, in Sicherheit bringen

Die Methode kostet beim Notieren eine Minute mehr und spart beim Lesen Stunden: Wer entscheiden als Familie kennt, versteht die Entscheidungsfindung, entscheidungsfreudig und ausschlaggebend ohne Wörterbuch. Wie man den Wortschatz sonst systematisch aufbaut, steht unter Wortschatz aufbauen.

Wo Wortbildung geprüft wird

  • DSH: In den „Wissenschaftssprachlichen Strukturen“ werden Wortbildungsaufgaben gestellt – Verb → Nomen, Adjektiv → Nomen, Kompositum → Erklärung; in manchen Prüfungen als Lückentext mit vorgegebenem Stamm.
  • TestDaF: Keine eigene Aufgabe, aber der Wortschatz der Lesetexte ist nur mit Wortbildung zu erschließen, und im Schreiben zählt die Wortschatzbreite zur Niveaustufe.
  • telc B2/C1 und Goethe B2/C1: Sprachbausteine mit Lücken, in denen die richtige Wortform (Nomen statt Verb, Adjektiv mit passender Nachsilbe) gefragt ist; in Lesetexten Aufgaben zur Bedeutung von Komposita.
  • Deutsch-Test für den Beruf und DTZ: Keine expliziten Wortbildungsaufgaben – aber Stellenanzeigen, Arbeitsverträge und Behördentexte in den Leseteilen bestehen aus Komposita.

Was auf welcher Stufe verlangt wird

StufeErwartung
A2Komposita des Alltags verstehen und das Grundwort erkennen (Kinderzimmer, Fahrkarte, Sprachkurs); -in für weibliche Formen; un- als Gegenteil; -chen als Verkleinerung
B1Genus an der Nachsilbe erkennen (-ung, -heit, -keit, -schaft → die; -chen → das; -er → der); trennbare und untrennbare Vorsilben unterscheiden; Wortfamilien anlegen; -los, -bar, -lich, -ig verstehen
B2Bedeutung der untrennbaren Vorsilben nutzen, um unbekannte Verben zu erschließen; Nomen aus Verben und Adjektiven selbst bilden (Grundlage der Nominalisierung); längere Komposita zerlegen; Fugen-s nach -ung, -heit, -keit; Adjektive mit -bar, -voll, -reich, -arm, -haft, -fähig aktiv verwenden
C1Wortbildungsaufgaben in Prüfungen sicher; Fremdwortsuffixe; Wortschatzvariation durch Wortfamilien (entscheiden – Entscheidung – entscheidend – ausschlaggebend); Komposita in Fach- und Amtssprache selbst bilden und stilistisch dosieren

Typische Fehler – und was dagegen hilft

FehlerRichtigWarum
der Prüfung, das Freiheitdie Prüfung, die Freiheit-ung, -heit sind immer feminin
die Mädchen (Singular)das Mädchen-chen ist immer neutral – auch bei Personen
der Sprachekurs, die Arbeitzeitder Sprachkurs, die ArbeitszeitFuge: Sprache verliert das -e; Arbeit bekommt -s-
die Kurssprache (gemeint: Sprachkurs)der SprachkursDas Grundwort steht rechts – Kurssprache wäre die Sprache, die im Kurs gesprochen wird
Ich habe geverkauft, gebesucht.Ich habe verkauft, besucht.Untrennbare Vorsilben: Partizip II ohne ge-
eine unlesbare Handschrifteine unleserliche Handschriftunleserlich = die Schrift ist schlecht; unlesbar = der Text ist inhaltlich nicht zu lesen – Nachsilben tragen Bedeutungsnuancen, bei Zweifeln nachschlagen
kindisch (positiv gemeint)kindlich-isch ist bei Personenadjektiven oft abwertend: kindisch, weibisch, dümmlich vs. kindlich, weiblich
Wörter als Einzelkarten lernenWortfamilien notierenEin Stamm, zehn Wörter – und die Vorsilben erklären den Bedeutungsunterschied

So üben wir das im Unterricht

Wortbildung ist kein eigenes Kapitel, sondern eine Methode, die in jeder Stunde mitläuft. Im Einzelunterricht zerlegen wir jedes neue Wort aus Ihren Texten – Grundwort, Vorsilbe, Nachsilbe – und bauen die Familie dazu auf. Ab B2 üben wir gezielt: Verben zu Nomen machen (für die Nominalisierung), Adjektive mit -bar, -los, -voll bilden, lange Komposita aus Behördenbriefen und Fachtexten von hinten lesen. Wer DSH oder TestDaF vor sich hat, bekommt Wortbildungsaufgaben im Prüfungsformat; wer im Beruf schreibt, arbeitet mit dem Fachwortschatz seines Bereichs, weil der fast vollständig aus Komposita besteht. Das Ziel ist immer dasselbe: dass Sie ein Wort, das Sie nie gesehen haben, beim ersten Lesen verstehen.

Häufige Fragen

Wie verstehe ich ein langes zusammengesetztes Wort?

Von hinten. Das letzte Wort ist das Grundwort – es sagt, was das Ding ist, und bestimmt den Artikel. Alles davor beschreibt, welche Art gemeint ist. Aufenthaltserlaubnisverlängerung: die Verlängerung – wovon? der Erlaubnis – welcher? zum Aufenthalt.

Bei sehr langen Wörtern helfen die Fugen (-s-, -n-, -en-) als Trennstellen: Aufenthalt·s·erlaubnis·verlängerung. Wer das Grundwort kennt, versteht den Kern; die Bestimmungswörter präzisieren nur.

Wann steht ein Fugen-s im Kompositum?

Eine Regel ohne Ausnahme gibt es nicht, aber drei stabile Tendenzen: Nach den Nachsilben -ung, -heit, -keit, -schaft, -tät, -ion, -tum und -ling steht praktisch immer -s- (Prüfungsangst, Gesundheitsamt, Freundschaftsspiel). Nach substantivierten Infinitiven steht -s- (Lebensmittel, Essenszeit). Nach femininen Nomen auf -e steht dagegen -n- (Straßenbahn, Sonnenbrille) und nie -s-.

Bei allen anderen Wörtern entscheidet der Gebrauch – Geburtstag mit, Bahnhof ohne. Im Zweifel: Wörterbuch. In der Prüfung ist ein falsches Fugenelement ein leichter Fehler.

Was ist der Unterschied zwischen ver- und er- bei Adjektiven?

ver- + Adjektiv bedeutet „… machen“ (transitiv, mit Objekt): verbessern = besser machen, verlängern = länger machen, vereinfachen = einfacher machen. er- + Adjektiv bedeutet „… werden“ (intransitiv, Zustandswechsel): erkranken = krank werden, erröten = rot werden, ermüden = müde werden.

Manchmal existieren Ausnahmen wie verblassen (Farbe wird blass) mit ver- als „werden“. Sicher ist die Regel bei ver- + Komparativ: verbessern, verschlechtern, vergrößern, verkleinern, verteuern, verbilligen – immer „machen“.

Kann ich das Genus eines Wortes an der Endung erkennen?

Bei abgeleiteten Wörtern sehr zuverlässig. Feminin sind alle Nomen auf -ung, -heit, -keit, -schaft, -ei, -in, -ion, -tät, -ik, -ur, -enz, -ie. Neutral sind alle auf -chen und -lein, die meisten auf -nis, -tum, -ment, -um und alle substantivierten Infinitive. Maskulin sind fast alle auf -er (Personen und Geräte), -ling, -ismus, -ist, -ant, -ent, -eur, -or.

Bei einfachen Wörtern ohne Nachsilbe (der Tisch, die Tür, das Haus) gibt es diese Sicherheit nicht – dort hilft nur Lernen mit Artikel. Die vollständigen Regeln: Der, die oder das?

Wie lerne ich mit Wortfamilien?

Notieren Sie zu jedem wichtigen neuen Wort nicht nur die Übersetzung, sondern die Familie: das Verb, das Nomen dazu (mit Artikel), das Adjektiv, die Person, das Gegenteil und ein oder zwei Komposita. Zu entscheiden also: die Entscheidung, entscheidend, unentschieden, der Unterschied, unterschiedlich, eine Entscheidung treffen.

Das dauert eine Minute länger, aber Sie lernen sechs Wörter statt einem – und Sie erkennen die Familie in jedem neuen Text wieder. Ab B1 ist das die effizienteste Methode, den Wortschatz zu vergrößern; ab B2 ist sie Voraussetzung, weil Prüfungen genau diese Umformungen abfragen.

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Wörter verstehen, die Sie nie gelernt haben

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