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Grammatik verstehen · B1 bis C1

Das Passiv

Behördenbriefe, Arbeitsanweisungen, Fachtexte und Prüfungsaufgaben ab B2 sind voller Passivsätze. Wer sie nicht sicher liest, verliert Information – wer sie nicht bildet, klingt in beruflichen Texten unpassend.

Wozu das Passiv gut ist

Im Aktivsatz steht, wer etwas tut. Im Passivsatz steht, was geschieht – und wer es tut, ist oft gar nicht wichtig oder gar nicht bekannt:

  • Aktiv: Die Sachbearbeiterin prüft Ihren Antrag.
  • Passiv: Ihr Antrag wird geprüft.

Der zweite Satz ist der, den Sie im Behördenbrief lesen. Genau deshalb ist das Passiv keine akademische Feinheit: Es ist die Normalform in amtlichen Schreiben, in Betriebsanweisungen, in Protokollen und in Fachtexten. Für den Integrationskurs-Alltag reicht es, Passivsätze sicher zu verstehen; ab B2 müssen Sie sie auch selbst bilden.

Vorgangspassiv: werden + Partizip II

Die Grundform ist denkbar einfach. Das konjugierte werden steht auf Position 2, das Partizip II am Satzende:

ZeitformBildungBeispiel
Präsenswird + Partizip IIDer Antrag wird geprüft.
Präteritumwurde + Partizip IIDer Antrag wurde geprüft.
Perfektist + Partizip II + wordenDer Antrag ist geprüft worden.
Plusquamperfektwar + Partizip II + wordenDer Antrag war schon geprüft worden.
Futur Iwird + Partizip II + werdenDer Antrag wird geprüft werden.

Der wichtigste Merkpunkt steht in Zeile drei: Im Passiv heißt das Partizip von werden nicht geworden, sondern worden. Ist geprüft worden – nicht geworden. Das ge- fällt weg, weil im Satz schon ein Partizip steht.

Wie das Partizip II gebildet wird und wann es ge- bekommt, steht unter Perfekt oder Präteritum? und – für Verben mit Vorsilbe – unter Trennbare Verben.

Vom Aktiv zum Passiv: was mit den Objekten passiert

Beim Umformen wandert das Akkusativobjekt des Aktivsatzes nach vorn und wird zum Subjekt. Es steht dann im Nominativ, und das Verb richtet sich nach ihm:

AktivPassiv
Der Chef unterschreibt den Vertrag.Der Vertrag wird unterschrieben.
Wir laden die Kundinnen ein.Die Kundinnen werden eingeladen.
Man repariert die Maschine.Die Maschine wird repariert.

Ein Dativobjekt bleibt dagegen im Dativ – es wird nicht zum Subjekt. Aus Man hilft dem Patienten wird Dem Patienten wird geholfen, nicht der Patient wird geholfen. Verben, die nur ein Dativobjekt haben – helfen, danken, gratulieren –, bilden deshalb nur ein Passiv ohne Subjekt.

Wenn der Täter doch genannt wird: von oder durch

In den meisten Passivsätzen fehlt der Handelnde ganz – das ist der Sinn der Konstruktion. Wenn er genannt werden muss, gilt eine einfache Aufteilung:

PräpositionWofürBeispiel
von + DativPersonen, Institutionen – wer handeltDer Antrag wird von der Behörde geprüft.
durch + AkkusativMittel, Ursache, Vermittlung – wodurch etwas geschiehtDie Leitung wurde durch den Sturm beschädigt.

Passiv mit Modalverben

Diese Kombination ist im Berufsalltag die häufigste überhaupt – jede Arbeitsanweisung und jede Frist ist so formuliert. Das Modalverb steht auf Position 2, am Satzende stehen Partizip II und werden:

  • Das Formular muss bis Freitag eingereicht werden.
  • Die Unterlagen können auch online hochgeladen werden.
  • Der Termin sollte rechtzeitig abgesagt werden.
  • Vergangenheit: Das Formular musste bis Freitag eingereicht werden.

Zustandspassiv: sein + Partizip II

Neben dem Vorgangspassiv gibt es eine zweite Form, die nicht den Vorgang, sondern das Ergebnis beschreibt. Der Unterschied ist im Alltag sehr konkret:

Vorgangspassiv (werden)Zustandspassiv (sein)
Der Laden wird um 8 Uhr geöffnet. (Vorgang)Der Laden ist ab 8 Uhr geöffnet. (Zustand)
Das Fenster wird geschlossen.Das Fenster ist geschlossen.
Der Antrag wird bearbeitet.Der Antrag ist bearbeitet.

Faustregel: werden beschreibt, was gerade passiert, sein beschreibt, wie es danach ist. Wenn Sie schwanken, prüfen Sie, ob eine Zeitangabe wie gerade oder bereits passt – gerade spricht für das Vorgangspassiv.

Das unpersönliche Passiv

Deutsch kann sogar Sätze ohne Subjekt ins Passiv setzen. Dann steht am Anfang ein es, das verschwindet, sobald etwas anderes auf Position 1 rückt:

  • Es wird hier nicht geraucht. → Hier wird nicht geraucht.
  • Es wurde lange diskutiert. → Gestern wurde lange diskutiert.
  • Dem Patienten wird sofort geholfen. (Dativobjekt bleibt im Dativ)

Diese Form begegnet Ihnen auf Schildern, in Hausordnungen und in Protokollen – und sie ist ein guter Grund, das Passiv nicht nur als Prüfungsstoff zu behandeln.

Ab C1: die Ersatzformen

Auf höherem Niveau wird Passivbedeutung häufig ohne werden ausgedrückt. Diese Formen zu erkennen ist wichtiger, als sie selbst zu produzieren – in Fachtexten stehen sie überall:

FormBeispielBedeutung
man + AktivMan prüft den Antrag.neutral, gesprochene Sprache
sich lassen + InfinitivDas Problem lässt sich lösen.kann gelöst werden
sein + zu + InfinitivDas Formular ist auszufüllen.muss ausgefüllt werden
Adjektiv auf -barDer Antrag ist online abrufbar.kann abgerufen werden

Besonders sein + zu + Infinitiv ist typisch für Behörden- und Betriebssprache und klingt für Lernende zunächst rätselhaft. Wer die Umformung kennt, liest solche Sätze danach flüssig – siehe auch Leseverstehen verbessern.

Was auf welcher Stufe verlangt wird

StufeWas verlangt wird
A2Passivsätze im Präsens erkennen und verstehen
B1Vorgangspassiv im Präsens und Präteritum aktiv bilden, Passiv mit Modalverb
B2alle Zeitformen inklusive worden, Zustandspassiv, von und durch
C1Ersatzformen, unpersönliches Passiv, Nominalstil und der Wechsel zwischen den Registern

Im Berufsalltag zahlt sich das Passiv besonders schnell aus: In Protokollen, Übergaben und E-Mails ist es der Standardton. Beispiele aus konkreten Berufsfeldern finden Sie unter Business-Deutsch.

Häufige Fragen

Heißt es „ist gemacht worden“ oder „ist gemacht geworden“?

Im Passiv immer „worden“: „Der Antrag ist geprüft worden.“ Das ge- fällt weg, weil im Satz bereits ein Partizip steht.

„Geworden“ gehört zum Vollverb werden mit eigener Bedeutung: „Sie ist Ärztin geworden.“ Das ist kein Passiv.

Wann nehme ich „von“ und wann „durch“?

„Von“ plus Dativ steht bei Personen und Institutionen, die handeln: „von der Behörde geprüft“. „Durch“ plus Akkusativ steht bei Mitteln und Ursachen: „durch den Sturm beschädigt“.

In den meisten Passivsätzen fehlt der Handelnde ohnehin – das ist genau der Zweck der Konstruktion.

Was ist der Unterschied zwischen Vorgangspassiv und Zustandspassiv?

Das Vorgangspassiv mit werden beschreibt, was geschieht: „Der Laden wird um 8 Uhr geöffnet.“ Das Zustandspassiv mit sein beschreibt das Ergebnis: „Der Laden ist ab 8 Uhr geöffnet.“

Wenn eine Zeitangabe wie „gerade“ passt, ist das Vorgangspassiv gemeint.

Kann jedes Verb ins Passiv?

Nein. Ein Passiv mit Subjekt bilden nur Verben mit Akkusativobjekt. Verben wie helfen, danken oder gratulieren haben nur ein Dativobjekt – dann bleibt der Dativ erhalten: „Dem Patienten wird geholfen.“

Verben wie sein, haben, bekommen oder kennen bilden gar kein Passiv.

Ab welchem Niveau brauche ich das Passiv?

Erkennen sollten Sie es schon auf A2, denn Behördenbriefe und Schilder sind voll davon. Aktiv gebildet wird es ab B1, zunächst im Präsens und Präteritum und zusammen mit Modalverben.

Ab B2 kommen alle Zeitformen und das Zustandspassiv dazu, auf C1 die Ersatzformen wie „lässt sich lösen“ oder „ist auszufüllen“.

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