Die Hausordnung lesen
Hausordnungen sind fast vollständig im Passiv und mit Modalverben geschrieben – nicht Sie müssen, sondern es ist zu unterlassen. Wer diese Muster kennt, kann jede Hausordnung lesen:
| So steht es da | Was gemeint ist |
|---|---|
| Die Ruhezeiten sind einzuhalten. | Sie müssen die Ruhezeiten einhalten. |
| Das Treppenhaus ist freizuhalten. | Stellen Sie nichts ins Treppenhaus. |
| Lärm ist zu vermeiden. | Machen Sie keinen Lärm. |
| Das Abstellen von Fahrrädern im Hausflur ist untersagt. | Fahrräder dürfen nicht im Hausflur stehen. |
| Haustiere sind der Verwaltung anzuzeigen. | Melden Sie Haustiere der Hausverwaltung. |
| Für Beschädigungen haftet der Mieter. | Wer etwas kaputt macht, zahlt dafür. |
| Grillen auf dem Balkon ist nicht gestattet. | Sie dürfen auf dem Balkon nicht grillen. |
Die Konstruktion ist einzuhalten heißt muss eingehalten werden – eine Passiversatzform, die in Vorschriften überall vorkommt. Sie ist erklärt unter Passiversatzformen, das Passiv selbst unter Passiv. Dieselbe Sprache begegnet Ihnen in Behördenbriefen.
Ruhezeiten – das Thema Nummer eins
| Zeit | Üblich geregelt als |
|---|---|
| 22:00 bis 6:00 oder 7:00 | Nachtruhe – laute Geräusche vermeiden, kein Staubsaugen, keine Waschmaschine in manchen Häusern |
| 13:00 bis 15:00 | Mittagsruhe – in vielen Hausordnungen, nicht in allen |
| Sonn- und Feiertage | ganztägig Ruhe – kein Bohren, kein Rasenmähen, keine Renovierung |
Die genauen Zeiten stehen in Ihrer Hausordnung und unterscheiden sich von Haus zu Haus und von Ort zu Ort. Die Nachtruhe ab 22 Uhr ist aber nahezu überall üblich und wird ernst genommen – deutlich ernster, als Neuzugezogene meist erwarten. Wenn eine Feier länger geht, ist ein Aushang oder ein kurzes Gespräch vorher die wirksamste Maßnahme.
Mülltrennung
| Behälter | Was hinein gehört |
|---|---|
| Restmüll (meist grau oder schwarz) | alles, was nicht anders zu trennen ist: Windeln, Staubsaugerbeutel, Hygieneartikel |
| Papier (blau) | Zeitungen, Kartons, Papier – keine beschichteten Becher |
| Verpackungen / Gelber Sack oder gelbe Tonne | Plastik, Metall, Getränkekartons, Folien |
| Bio (braun) | Essensreste, Obst- und Gemüseschalen, Kaffeefilter |
| Glascontainer | nach Farben getrennt: Weißglas, Braunglas, Grünglas – nicht in der Nachtruhe einwerfen |
| Pfandflaschen | zurück in den Laden, nicht in den Müll – siehe Einkaufen |
| Sperrmüll und Elektrogeräte | Termin bei der Stadt oder Abgabe am Recyclinghof – nicht neben die Tonne stellen |
Falsch getrennter Müll ist in Mietshäusern ein häufiger Konfliktanlass, weil er das ganze Haus Geld kosten kann. Die Details – welche Tonne wann geleert wird, wo der Gelbe Sack ausgegeben wird – regelt Ihre Stadt; fragen Sie im Zweifel den Hausmeister oder die Nachbarschaft.
Gemeinsam genutzte Räume
| Ort | Wortschatz | Typische Regel |
|---|---|---|
| Treppenhaus / Hausflur | der Handlauf, die Fußmatte, das Fenster kippen | freihalten, Fluchtweg; in einigen Regionen die Kehrwoche oder ein Putzplan |
| Waschküche | die Waschmaschine, der Trockner, der Trockenraum, die Wäschespinne, die Waschzeit | Zeiten eintragen, Maschine nach Gebrauch reinigen |
| Keller | das Kellerabteil, die Trennwand, der Kellerschlüssel | nur eigenes Abteil nutzen, Gänge freihalten |
| Hof und Garten | die Mülltonne, der Fahrradständer, die Terrasse, der Sandkasten | Fahrräder nur am Ständer, Grillen oft nur eingeschränkt |
| Briefkasten und Klingel | das Namensschild, der Klingelknopf, die Paketannahme | Namensschild anbringen, sonst kommt keine Post an |
Redemittel für die Nachbarschaft
| Situation | Formulierungen |
|---|---|
| Sich vorstellen | Guten Tag, ich bin neu hier – ich wohne jetzt im zweiten Stock. Ich heiße … |
| Um Hilfe bitten | Entschuldigen Sie, könnten Sie mir kurz helfen? · Wissen Sie, wann die Mülltonnen geleert werden? |
| Um Paketannahme bitten | Wären Sie so freundlich, morgen ein Paket für mich anzunehmen? |
| Etwas ausleihen | Hätten Sie vielleicht einen Bohrer, den ich kurz ausleihen könnte? |
| Auf eine Feier hinweisen | Am Samstag haben wir Besuch, es könnte etwas lauter werden. Sagen Sie gern Bescheid, wenn es zu viel ist. |
| Renovierung ankündigen | Ich muss am Donnerstag kurz bohren – zwischen zehn und zwölf, ist das in Ordnung? |
| Sich entschuldigen | Entschuldigung, wenn es gestern zu laut war. Das passiert nicht wieder. |
| Nach dem Hausmeister fragen | Wissen Sie, wie ich den Hausmeister erreiche? Der Wasserhahn tropft. |
Duzen oder siezen? Im Haus ist Sie der sichere Standard, auch bei jüngeren Nachbarn. Wenn jemand das Du anbietet – Wir können uns gern duzen –, nehmen Sie es an; von selbst duzen sollten Sie nicht. Die Details unter Du oder Sie?
Konflikte ansprechen, ohne zu eskalieren
Die deutsche Gesprächskultur erwartet, dass man ein Problem direkt und ruhig anspricht – nicht andeutungsweise, aber auch nicht mit Vorwürfen. Das Muster in vier Schritten:
Diese Struktur – Anlass, Beobachtung, Begründung, Bitte – ist dieselbe wie in einer schriftlichen Beschwerde. Die höflichen Formen mit könnten und wäre stehen unter Höflich bitten und ablehnen und Konjunktiv II. Erst wenn ein Gespräch nichts ändert, wendet man sich an die Hausverwaltung – vorher gilt es als unhöflich.
Eine Nachricht oder einen Aushang schreiben
Kurze Aushänge im Treppenhaus folgen einem festen Muster: Anlass, Zeitraum, Bitte, Name. Zwei Beispiele:
| Liebe Nachbarn, am Samstag, 12. Oktober, feiern wir eine kleine Geburtstagsfeier in Wohnung 2b. Es kann bis etwa 23 Uhr lauter werden. Wir bitten um Ihr Verständnis und melden uns gern, wenn es störend ist – klingeln Sie einfach. Viele Grüße, Familie Silva (2b) |
| Liebe Nachbarn, im Trockenraum hängt seit zwei Wochen Wäsche. Könnte sie bitte abgenommen werden? Die Leinen werden von mehreren Haushalten gebraucht. Vielen Dank! Viele Grüße aus 1a |
Beachten Sie die Anrede Liebe Nachbarn mit Komma und die Kleinschreibung danach, und die unpersönliche Bitte im Passiv (Könnte sie bitte abgenommen werden?) – sie ist freundlicher, weil sie niemanden direkt beschuldigt. Mehr zu diesem Briefaufbau unter Briefe und E-Mails schreiben.
Warum das im Unterricht vorkommt
Wohnen ist ein Standardthema in allen Prüfungen von A1 bis B1 – beim DTZ etwa als Gespräch über die Wohnsituation oder als Brief an eine Hausverwaltung. Gleichzeitig ist es eines der Themen, bei denen sprachliche Unsicherheit am schnellsten reale Folgen hat: ein Missverständnis über Ruhezeiten oder Müll erzeugt Konflikte, die niemand will.
Im Einzelunterricht lesen wir deshalb Ihre echte Hausordnung – das ist meist der erste Text, bei dem Passiversatzformen plötzlich interessant werden – und üben die Gespräche, die Ihnen im Haus tatsächlich bevorstehen. Wer gerade erst eine Wohnung sucht, findet den passenden Wortschatz unter Wohnungssuche auf Deutsch.
Häufige Fragen
Was bedeutet Das Treppenhaus ist freizuhalten?
Es heißt: Das Treppenhaus muss freigehalten werden – Sie dürfen dort nichts abstellen. Die Konstruktion ist zu + Infinitiv ersetzt ein Passiv mit müssen und kommt in Vorschriften überall vor.
Der Grund ist der Fluchtweg: Im Brandfall muss das Treppenhaus frei sein. Deshalb wird diese Regel meist besonders streng gehandhabt.
Wann ist in Deutschland Ruhezeit?
Üblich ist die Nachtruhe von 22 bis 6 oder 7 Uhr, in vielen Hausordnungen zusätzlich eine Mittagsruhe zwischen 13 und 15 Uhr. Sonn- und Feiertage gelten ganztägig als ruhig, also kein Bohren, Rasenmähen oder Renovieren.
Die genauen Zeiten stehen in Ihrer Hausordnung und unterscheiden sich von Haus zu Haus. Die Nachtruhe ab 22 Uhr wird nahezu überall sehr ernst genommen.
Wie spreche ich einen Nachbarn an, der zu laut ist?
In vier Schritten: freundlich beginnen, sachlich beschreiben, die eigene Seite nennen, eine Lösung vorschlagen. Etwa: Entschuldigen Sie die Störung – gestern war es nach 23 Uhr noch recht laut. Ich muss morgens um fünf aufstehen. Wäre es möglich, die Musik ab zehn etwas leiser zu machen?
Vermeiden Sie Wörter wie immer und nie und jede Bewertung der Person. Erst wenn ein Gespräch nichts ändert, wendet man sich an die Hausverwaltung – vorher gilt das als unhöflich.
Duzt oder siezt man Nachbarn?
Sie ist im Haus der sichere Standard, auch bei jüngeren Nachbarn und auch nach Jahren. Wenn jemand das Du anbietet, nehmen Sie es an.
Von sich aus duzen sollten Sie nicht – es wird schnell als zu vertraulich empfunden. Ausnahmen sind Kinder und manche Hausgemeinschaften, in denen sich alle duzen.
Was passiert, wenn ich den Müll falsch trenne?
Zunächst meist ein Hinweis vom Hausmeister oder ein Aushang. Wird eine Tonne wegen falscher Befüllung nicht geleert, kann eine Nachleerung anfallen, deren Kosten über die Nebenkosten auf alle Haushalte verteilt werden – deshalb ist das Thema in Mietshäusern so heikel.
Welche Tonnen es gibt und wann sie geleert werden, regelt Ihre Stadt. Fragen Sie im Zweifel den Hausmeister oder in der Nachbarschaft.
Preise
Einzelunterricht
45 € / 60 Min.100 % individuell · alle Niveaus
Kleingruppe
30 € / Person · 60 Min.2–3 Personen · kommunikativ
Prüfungsvorbereitung
50 € / 60 Min.Einzelcoaching · alle Formate
Das Erstgespräch ist kostenlos, 10er-Pakete mit Rabatt gibt es auf Anfrage.
Im eigenen Haus sicher sprechen
Bringen Sie Ihre Hausordnung mit – sie ist ein überraschend gutes Lehrmittel. Wir lesen sie gemeinsam und üben die Gespräche, die Ihnen im Haus bevorstehen.
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