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Grammatik verstehen · A2 bis B1

Komparativ und Superlativ: Adjektive steigern

schnell, schneller, am schnellsten – die Steigerung im Deutschen ist regelmäßiger als die Pluralbildung, hat aber drei Stellen, an denen es hakt: der Umlaut, die Handvoll unregelmäßiger Formen und die Frage, ob nach dem Komparativ als oder wie kommt. Hier stehen alle Regeln mit Tabellen, dazu je … desto und die Steigerung vor dem Nomen.

Die drei Stufen

Deutsche Adjektive haben drei Stufen: die Grundform (Positiv), den Komparativ auf -er und den Superlativ auf -st. Anders als im Englischen gibt es keine Umschreibung mit more und most – auch lange Adjektive nehmen die Endung:

PositivKomparativSuperlativ
schnellschnelleram schnellsten / der, die, das schnellste
kleinkleineram kleinsten
interessantinteressanteram interessantesten
kompliziertkomplizierteram kompliziertesten

Interessanter heißt also „more interesting“, nicht „mehr interessant“ – einer der häufigsten Fehler aus dem Englischen und den romanischen Sprachen.

Die Bildungsregeln im Detail

-esten nach d, t, s, ß, sch, z, x

Endet das Adjektiv auf einen dieser Laute, wird der Superlativ mit -esten gebildet, damit man ihn aussprechen kann: am weitesten, am lautesten, am heißesten, am hübschesten, am kürzesten, am wildesten. Ausnahme: groß – am größten.

Umlaut bei einsilbigen Adjektiven mit a, o, u

Viele einsilbige Adjektive mit a, o, u bekommen in Komparativ und Superlativ einen Umlaut. Eine sichere Regel gibt es nicht – die häufigsten sind:

mit Umlautohne Umlaut
alt – älter – am ältesten
arm – ärmer – am ärmsten
groß – größer – am größten
hart – härter – am härtesten
jung – jünger – am jüngsten
kalt – kälter – am kältesten
klug – klüger – am klügsten
krank – kränker – am kränksten
kurz – kürzer – am kürzesten
lang – länger – am längsten
scharf – schärfer – am schärfsten
schwach – schwächer – am schwächsten
stark – stärker – am stärksten
warm – wärmer – am wärmsten
bunt – bunter – am buntesten
froh – froher – am frohesten
klar – klarer – am klarsten
laut – lauter – am lautesten
rund – runder – am rundesten
schlank – schlanker – am schlanksten
stolz – stolzer – am stolzesten
toll – toller – am tollsten
voll – voller – am vollsten
alle mehrsilbigen: langsam – langsamer
alle mit au: laut, blau, schlau (kein äu)
schwankend: gesund – gesünder/gesunder, rot – röter/roter

Adjektive auf -el und -er verlieren das e

dunkel – dunkler – am dunkelsten, teuer – teurer – am teuersten, sensibel – sensibler, flexibel – flexibler. Im Superlativ bleibt das e erhalten.

Die unregelmäßigen Formen

Diese Handvoll muss man auswendig lernen – sie kommen im Alltag ständig vor:

PositivKomparativSuperlativ
gutbesseram besten
vielmehram meisten
gernlieberam liebsten
hochhöheram höchsten
nahnäheram nächsten
großgrößeram größten (nicht: größesten)
baldeheram ehesten
oftöfter / häufigeram häufigsten

gern – lieber – am liebsten ist die wichtigste Zeile für den Alltag: Ich trinke gern Tee, aber lieber Kaffee – und am liebsten Espresso. So drückt man im Deutschen Vorlieben aus; ein Verb wie prefer braucht man nicht.

Vergleichen: so … wie und als

Hier passiert der häufigste Fehler – auch bei Muttersprachlern:

VergleichFormBeispiel
Gleichheit(genau)so + Positiv + wieBerlin ist so groß wie Madrid. – Er ist genauso alt wie ich.
Ungleichheitnicht so + Positiv + wieKöln ist nicht so groß wie Berlin.
UnterschiedKomparativ + alsBerlin ist größer als Köln. – Ich bin älter als meine Schwester.
Steigerung des Unterschiedsviel / noch / etwas + KomparativBerlin ist viel größer als Köln. – Das ist etwas teurer.

Nach dem Komparativ steht in der Standardsprache immer als. Größer wie hört man in vielen Regionen, gilt aber schriftlich und in Prüfungen als Fehler. wie gehört zu so. Die Person nach als und wie steht im selben Fall wie das, womit verglichen wird – meist Nominativ: Sie ist älter als ich (nicht: als mich).

Der Superlativ: am -sten oder der -ste?

Der Superlativ hat zwei Formen, und die Wahl ist einfach:

  • am -sten nach dem Verb (prädikativ) und als Adverb: Dieser Weg ist am kürzesten. – Sie läuft am schnellsten.
  • der/die/das -ste vor einem Nomen oder anstelle eines Nomens: Das ist der kürzeste Weg. – Von allen Wegen ist das der kürzeste.

Das am ist in Wirklichkeit an dem – deshalb kann es nie vor einem Nomen stehen. Wer sich merkt „am ohne Nomen, der/die/das mit Nomen“, macht hier keinen Fehler mehr.

Komparativ und Superlativ vor dem Nomen

Vor einem Nomen bekommen Komparativ und Superlativ – wie jedes Adjektiv – zusätzlich die Adjektivendung. Die Steigerungsendung kommt zuerst, die Deklinationsendung danach:

  • ein besserer Job (Nominativ maskulin nach ein)
  • mit einem größeren Auto (Dativ)
  • die wichtigste Frage (Nominativ feminin)
  • das schnellste Auto, die schnellsten Autos
  • meine ältere Schwester, mein jüngster Bruder

Dass ein besserer zwei er hintereinander hat, verwirrt viele – aber es ist logisch: besser + -er (Endung nach ein im Nominativ maskulin).

Immer, je … desto und der absolute Komparativ

StrukturBedeutungBeispiel
immer + Komparativfortschreitende EntwicklungDie Mieten werden immer teurer. – Ich spreche immer besser.
je + Komparativ, desto/umso + Komparativzwei Entwicklungen hängen zusammenJe mehr ich spreche, desto sicherer werde ich. – Je früher, desto besser.
absoluter Komparativkein echter Vergleich, sondern Abschwächungeine ältere Dame (= nicht jung, aber auch nicht alt) – eine längere Zeit – ein größerer Betrag

Bei je … desto ist der je-Satz ein Nebensatz (Verb am Ende), der desto-Satz ein Hauptsatz mit dem Verb direkt nach dem Komparativ: Je länger ich warte, desto nervöser werde ich. Die Struktur ist ab B1 ein sicheres Zeichen für gute Grammatik. Wie Nebensätze gebaut werden, steht unter Nebensätze und Konjunktionen.

Was auf welcher Stufe verlangt wird

StufeErwartung
A1gern – lieber – am liebsten; gut – besser; einfache Vergleiche mit als
A2Regelmäßige Bildung mit Umlaut; alle unregelmäßigen Formen; so … wie und als; Superlativ mit am – siehe A2-Kurs
B1Komparativ und Superlativ vor dem Nomen mit Endung; immer + Komparativ; je … desto – siehe B1-Kurs
B2+Absoluter Komparativ, umso, nominalisierte Superlative (das Beste, das Wichtigste), Steigerung von Partizipien (der am häufigsten genannte Grund)

Typische Fehler – und was dagegen hilft

  • mehr + Adjektiv: Das ist mehr interessant. Gegenmittel: Immer die Endung – interessanter. mehr ist nur der Komparativ von viel.
  • als und wie vertauscht: größer wie, so groß als. Gegenmittel: Komparativ → als; so → wie.
  • am vor Nomen: das am schnellste Auto. Gegenmittel: Nomen dabei → das schnellste Auto.
  • Doppelte Steigerung: am bestesten, mehr besser. Gegenmittel: unregelmäßige Formen sind schon fertig gesteigert.
  • Endung vergessen vor Nomen: ein besser Job. Gegenmittel: Steigerung + Adjektivendung – ein besserer Job.
  • Umlaut bei au: läuter. Gegenmittel: au wird in der Steigerung nie zu äu – lauter, blauer, schlauer.

Vergleiche gehören zu den Strukturen, die man in fast jedem Gespräch braucht – über Städte, Jobs, Wohnungen, Preise. Genau so üben wir sie: mit Ihren Vergleichen, mit Korrektur an der Stelle, an der der Fehler passiert. Wie das aussieht, beschreibt die Seite Deutsche Grammatik verstehen.

Häufige Fragen

Wie bildet man Komparativ und Superlativ im Deutschen?

Komparativ: Adjektiv + -er (schneller, interessanter). Superlativ: am + Adjektiv + -sten (am schnellsten) oder der/die/das + Adjektiv + -ste vor einem Nomen (das schnellste Auto). Nach d, t, s, ß, sch, z, x heißt es -esten: am lautesten.

Eine Umschreibung mit mehr gibt es nicht – auch lange Adjektive nehmen die Endung.

Wann sagt man als und wann wie?

Nach dem Komparativ steht als: größer als, besser als. wie gehört zu so und drückt Gleichheit aus: so groß wie, genauso gut wie.

größer wie ist regional verbreitet, gilt aber in der Standardsprache und in Prüfungen als Fehler.

Welche Adjektive haben eine unregelmäßige Steigerung?

Die wichtigsten: gut – besser – am besten, viel – mehr – am meisten, gern – lieber – am liebsten, hoch – höher – am höchsten, nah – näher – am nächsten, groß – größer – am größten. Dazu bald – eher – am ehesten.

Wann bekommt der Komparativ einen Umlaut?

Nur bei einsilbigen Adjektiven mit a, o, u – und auch dort nicht immer: alt – älter, groß – größer, jung – jünger, kurz – kürzer, lang – länger, warm – wärmer, aber klar – klarer, laut – lauter, voll – voller, froh – froher. Mehrsilbige Adjektive und Adjektive mit au bekommen nie einen Umlaut.

Wann heißt es am besten und wann der beste?

am besten steht ohne Nomen – nach dem Verb oder als Adverb: Dieser Weg ist am besten. Sie spricht am besten. der/die/das beste steht vor einem Nomen oder an seiner Stelle: der beste Weg; von allen ist das der beste.

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als oder wie, am oder der, Umlaut oder nicht – im Gespräch bleibt dafür keine Zeit zum Nachdenken. Im Einzelunterricht automatisieren wir die Steigerung mit Vergleichen aus Ihrem Alltag. Schreiben Sie mir, wo Sie stehen.

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