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Grammatik · A2–B2

Negation im Deutschen: nie, niemand, nichts, kaum

Die meisten Lernenden kennen nicht und kein – und stehen dann vor Sätzen wie Ich war noch nie dort oder Das hat kaum jemand verstanden. Das Deutsche verneint nämlich nicht nur Verben und Nomen, sondern auch Zeit, Ort, Menge und Personen, und für jedes dieser Felder gibt es ein eigenes Wort. Diese Seite sortiert sie alle.

Das System auf einen Blick

Jedes Negationswort verneint eine bestimmte Sorte Information. Wer die Tabelle von links nach rechts liest, hat die Systematik:

PositivNegativBeispiel
ein Buch, Zeit (Nomen)keinIch habe kein Buch / keine Zeit.
ein Verb, ein AdjektivnichtIch komme nicht. · Das ist nicht teuer.
etwas, allesnichtsIch habe nichts gesagt.
jemand, alleniemand / keinerNiemand weiß das.
immer, oft, schon malnie / niemals / noch nieIch war noch nie in Wien.
irgendwo, überallnirgends / nirgendwoIch finde den Schlüssel nirgends.
irgendwohinnirgendwohinIch fahre dieses Jahr nirgendwohin.
noch, immer nochnicht mehr / kein … mehrIch arbeite dort nicht mehr.
schonnoch nicht / noch keinIch habe noch nicht gegessen.

Die Grundentscheidung zwischen nicht und kein – und wo nicht im Satz steht – ist ausführlich unter Nicht oder kein? erklärt. Diese Seite baut darauf auf.

nie, niemals, noch nie – und nie mehr

WortBedeutungBeispiel
niezu keinem Zeitpunkt (neutral, alltäglich)Ich trinke nie Kaffee.
niemalsdasselbe, aber verstärkt und nachdrücklichDas würde ich niemals machen.
noch niebis jetzt nicht – Blick auf die VergangenheitIch war noch nie in Hamburg.
nie mehr / nie wiederab jetzt nicht mehr – Blick auf die ZukunftIch gehe da nie wieder hin.

noch nie oder nie? Ich war noch nie in Wien heißt: bisher nicht, es könnte noch passieren. Ich war nie in Wien klingt abgeschlossen – etwa wenn man über eine beendete Lebensphase spricht. In der Alltagssprache benutzt man mit dem Perfekt fast immer noch nie. Zur Rolle von schon und noch siehe schon, noch, erst.

niemand – das einzige Negationswort, das dekliniert wird

FallFormBeispiel
NominativniemandNiemand hat angerufen.
AkkusativniemandenIch kenne hier niemanden.
DativniemandemIch habe es niemandem gesagt.
Genitivniemandesselten; meist von niemandem

Die Formen ohne Endung (Ich kenne niemand) hört man in der Umgangssprache, in Prüfungstexten sollten Sie aber niemanden und niemandem schreiben. Alternativ geht auch keiner mit Artikelendungen: Keiner weiß das, Ich kenne keinen, Ich habe es keinem gesagt. Zum positiven Gegenstück siehe Indefinitpronomen: man, jemand.

nichts oder nicht? Ein häufiger Mix

nichts ist ein Pronomen und ersetzt ein Nomen, nicht ist ein Adverb und verneint das Verb. Vergleichen Sie:

SatzBedeutung
Ich habe nichts gesagt.Ich habe kein Wort gesagt.
Ich habe es nicht gesagt.Diese eine Sache habe ich nicht gesagt.
Er versteht nichts.Er versteht überhaupt nichts.
Er versteht das nicht.Genau diesen Punkt versteht er nicht.

Nach nichts folgt oft ein substantiviertes Adjektiv mit der Endung -es: nichts Neues, nichts Besonderes – siehe Substantivierte Adjektive.

Verstärken und abschwächen

  • gar nicht / überhaupt nicht – deutliche Verstärkung: Das gefällt mir gar nicht.
  • gar nichts / überhaupt nichts – Ich habe überhaupt nichts verstanden.
  • absolut nicht / keineswegs – formell und nachdrücklich: Das ist keineswegs selbstverständlich.
  • kaum – fast nicht, also eine halbe Verneinung: Ich habe kaum geschlafen. Achtung: kaum jemand heißt „fast niemand“.
  • wenig / selten – abgeschwächt: Ich gehe selten ins Kino.
  • nicht besonders / nicht gerade – höfliche Untertreibung: Das war nicht besonders gut. Sehr typisch für deutsche Kritik – siehe höflich ablehnen und widersprechen.

nicht mehr, noch nicht – das Zeitraster

Diese vier Formen bilden ein System, das viele Sprachen anders aufteilen:

FormBedeutungBeispiel
schonpositiv, bereits eingetretenIch habe schon gegessen.
noch nichtbis jetzt nicht, wird aber erwartetIch habe noch nicht gegessen.
nochpositiv, dauert anIch arbeite noch dort.
nicht mehrfrüher ja, jetzt nichtIch arbeite nicht mehr dort.

Mit Nomen wird nicht mehr zu kein … mehr: Ich habe keine Zeit mehr, Es gibt kein Brot mehr. Entsprechend heißt es noch kein: Ich habe noch keinen Termin. Das ganze Vier-Felder-System steht unter schon, noch, erst.

weder … noch und andere Verbindungen

  • weder … noch – verneint zwei Dinge gleichzeitig, ohne weiteres nicht: Ich habe weder Zeit noch Lust.
  • ohne … zu – verneinte Gleichzeitigkeit: Er ging, ohne etwas zu sagen.
  • statt … zu – Ersatz: Statt zu lernen, hat er Serien geschaut.
  • nicht nur … sondern auch – trotz nicht insgesamt positiv: Nicht nur billig, sondern auch gut.

Diese Paare gehören zu den zweiteiligen Konnektoren, die ab B1 in jeder Schreibaufgabe nützlich sind.

Doppelte Verneinung: im Standarddeutschen nein

Anders als etwa im Spanischen, Russischen oder Türkischen hat das Deutsche keine doppelte Verneinung. Ein Negationswort genügt:

FalschRichtig
Ich habe nichts nicht gesagt.Ich habe nichts gesagt.
Niemand hat nicht angerufen.Niemand hat angerufen.
Ich kenne keinen nicht.Ich kenne keinen.

Zwei Negationen heben sich im Deutschen tatsächlich auf: Das ist nicht unmöglich bedeutet „es ist möglich“ – meist mit vorsichtigem Ton. Dieses Stilmittel ist in formellen Texten häufig und beliebt.

Die Antwort doch

Auf eine verneinte Frage antwortet man im Deutschen nicht mit ja, sondern mit doch:

FrageZustimmungWiderspruch
Kommst du mit?Ja.Nein.
Kommst du nicht mit?Nein (= ich komme nicht).Doch (= ich komme).
Hast du keinen Hunger?Nein.Doch, schon.

Wer hier ja sagt, wird regelmäßig missverstanden – es ist einer der Punkte, die im Alltag am schnellsten auffallen. doch hat außerdem eine Rolle als Modalpartikel: siehe Modalpartikeln.

Häufige Fehler

FalschRichtigWarum
Ich kenne niemand hier.Ich kenne niemanden hier.Akkusativ verlangt die Endung.
Ich habe nicht gesagt nichts.Ich habe nichts gesagt.Keine doppelte Verneinung.
Ich war nicht in Wien noch.Ich war noch nie in Wien.Feste Verbindung noch nie.
Ich habe nicht Zeit mehr.Ich habe keine Zeit mehr.Vor Nomen steht kein.
– Kommst du nicht? – Ja.– Doch.Widerspruch zu einer negativen Frage.
Ich habe weder Zeit und nicht Lust.weder Zeit noch LustFestes Paar weder … noch.
Ich finde es nirgendwo hin.Ich fahre nirgendwohin.nirgends = Ort, nirgendwohin = Richtung.

So üben wir das im Unterricht

Negation ist ein Thema, das sich gut über Sprechen erschließt, weil man ständig etwas ablehnen, korrigieren oder einschränken muss. Im Einzelunterricht arbeiten wir deshalb mit kurzen Dialogen: einen Vorschlag ablehnen, eine falsche Annahme korrigieren, sagen, dass etwas noch nicht erledigt ist. Dabei übt sich doch praktisch von selbst ein – die Situation verlangt es.

Für die schriftlichen Prüfungsteile lohnt sich die höfliche Negation: nicht ganz, eher nicht, nicht unbedingt. Diese Abschwächungen sind in deutschen Diskussionen die Norm und wirken sicherer als ein blankes nein – dazu passt Diskutieren und argumentieren. Wo Sie stehen, klären wir im kostenlosen Erstgespräch oder mit dem Einstufungstest.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen nie und noch nie?

noch nie blickt auf die Zeit bis jetzt und lässt offen, dass es noch passieren kann: Ich war noch nie in Wien. nie klingt endgültiger und wird oft für abgeschlossene Zeiträume benutzt.

Mit dem Perfekt ist noch nie die übliche Wahl. Für die Zukunft sagt man nie mehr oder nie wieder: Da gehe ich nie wieder hin.

Wie dekliniert man niemand?

Nominativ niemand, Akkusativ niemanden, Dativ niemandem: Niemand hat angerufen. Ich kenne niemanden. Ich habe es niemandem gesagt.

Die endungslosen Formen hört man umgangssprachlich, in Prüfungstexten sollten Sie aber niemanden und niemandem schreiben. Alternativ funktioniert keiner, keinen, keinem.

Gibt es im Deutschen doppelte Verneinung?

Im Standarddeutschen nicht. Ein Negationswort reicht: Ich habe nichts gesagt, nicht Ich habe nichts nicht gesagt.

Zwei Negationen heben sich stattdessen auf: nicht unmöglich bedeutet möglich. Diese Form ist ein bewusstes Stilmittel und in formellen Texten häufig.

Warum antwortet man mit doch?

Weil das Deutsche für den Widerspruch gegen eine verneinte Aussage ein eigenes Wort hat. Auf Kommst du nicht mit? bedeutet Nein: ich komme nicht, und Doch: ich komme doch.

Mit ja lässt sich diese Frage nicht klar beantworten – wer es versucht, wird regelmäßig missverstanden.

Heißt es nicht mehr oder kein mehr?

Beides, je nachdem was verneint wird. Vor Verben steht nicht mehr: Ich arbeite nicht mehr dort. Vor Nomen wird es zu kein … mehr: Ich habe keine Zeit mehr.

Das Gegenstück in die andere Richtung sind noch nicht (vor Verben) und noch kein (vor Nomen): Ich habe noch keinen Termin.

Preise

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Ablehnen, einschränken, widersprechen – das gehört zu den Dingen, die man in einer Fremdsprache am ungernsten tut, weil der Ton so leicht kippt. Genau das lässt sich üben.

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